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Politologe Andrew B. Denison hält Vortrag bei der Schaumburger Deutsch-Amerikanischen Gesellschaft

Die Welt will ein neues Amerika - Obama oder Clinton?

Landkreis. Auf Einladung der Schaumburger Deutsch Amerikanischen Gesellschaft (SDAG) hat der Politologe Dr. Andrew B. Denison im großen Sitzungssaal des Kreishauses in Stadthagen einen hochinteressanten Vortrag zum Thema Präsidentschaftswahlen in Amerika gehalten. Denison informierte die Zuhörer nicht nur über das System der Präsidentschaftswahlen in den USA und der mit großem Medieninteresse seit Anfang Januar laufenden Vorwahlen. Er analysierte auch die geopolitischen Hintergründe und die Stimmung der Amerikaner, ihre Erwartungen an den mächtigsten Mann oder die mächtigste Frau im mächtigsten Land der Welt.

SDAG-Vorsitzender Dr. Egon Crombach mit Andrew B. Denison (r.).

Autor:

Anne Coert

Die ganze Welt schaut zu. Die amerikanischen Vorwahlen sind offen und intensiv wie noch nie. Zu diskutieren gibt es genug. Amerika lernt so die Kandidaten für das Amt des Präsidenten kennen. Dabei sparte der nationalbewusste "bekennende" Amerikaner Denison nicht mit Kritik an der schmutzigen Seite des Vorwahlkampfes bei den Demokraten, die das Clinton-Wahlkampfteam zu verantworten habe. Die Welt - nicht nur die Amerikaner - sehne sich nach dem Gegenteil von George W. Bush. Alle hofften auf ein besseres Amerika. Amerikaner wollten mehr Einheit - unter sich und mit der Welt. Nicht "Blaue Staaten" oder "Rote Staaten" - die Kennzeichnung für republikanisch und demokratisch dominierte Staaten -, sondern die Vereinigten Staaten; dies sei mehr als nur ein Wahlspruch von Barack Obama, sagte Denison dem Publikum... Im bunten Gemisch der Bundesstaaten zählt vor allem die Frage: Wer kann besser die Wähler mobilisieren? In dieser Aus ein andersetzung geht es um "ground war" und "air war". Der Bodenkrieg findet von Tür zu Tür statt - um Menschen persönlich davon zu überzeugen, zur Wahl zu gehen. Der Luftkrieg bedeutet Radio und Fernsehen, 24 Stunden am Tag, sieben Tage die Woche. Der politischen Werbung kann man derzeit nicht entrinnen. Aber Mobilisierung heißt auch die Mobilisierung von Geld. 2008 fließt mehr Geld als je zuvor in den Wahlkampf. Geld vor allem, um Nichtwähler zu motivieren, sie dazu zu bringen, doch noch die Versammlungen zu besuchen und an die Wahlurne zu gehen. Die Welt will ein neues Amerika. Amerika will der Welt entgegenkommen, so heißt es von allen Anwärtern auf das Amt des Präsidenten. "So viel Zusammenarbeit wie möglich, so viel Alleingang wie nötig" - dieses alte amerikanische Prinzip zum Umgang mit der Welt bedeutet heute etwas anderes als in den Tagen und Monaten nach dem 11. September. Sorgen über Alleingänge dieser gigantischen Großmacht sind verständlich. Aber die partnerschaftliche Einbindung Europas, die vom nächsten amerikanischen Präsidenten zu erwarten ist, wird auch ihren Preis haben, in Geld und in stärkerem Engagement in den Krisenregionen der Welt... Barack Obama vor Hillary Clinton, so lautet die vorsichtige Prognose Denisonsüber den Ausgang der Wahl. Obama treffe offenbar den Ton, die Stimmung und die Sehnsucht der Amerikaner am besten. Ob dies in der demokratischen Partei ebenso gesehen wird, stelle sich im August/ September heraus. Denison: "Bis dahin bleibt es spannend." Im Anschluss an den Vortrag nutzten viele Zuhörer im Kreishaus die Gelegenheit, sich beim Experten "schlau zu machen". Der Wissensdrang war so groß, dass der Vorsitzende der SDAG, Dr. Egon Crombach, zu seinem Bedauern die Diskussion nach über zwei Stunden Veranstaltungsdauer dem Ende zuführen musste. Zur Person

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