weather-image
24°
Verzögert sich die Ganztagsschule? / Politik hat das Votum der Schulen nicht erhalten

Die Verwaltung hat den "Schwarzen Peter"

Bückeburg (rc). Im Schulausschuss sind massive Bedenken geäußert worden, ob mit dem Schuljahrsbeginn 2006/2007 zumindest eine der vier Bückeburger Grundschulen zur Ganztagsschule wird. "Wir sind im Verzug, zum neuen Schuljahr ist das Vorhaben nicht mehr realistisch umsetzbar", hieß es auf der jüngsten Sitzung von Seiten der Rektoren. "Es ist die Erwartung der Politik, dass im nächsten Schuljahr etwas passiert", entgegnete der CDU-Ratsherr Christoph Vauth. Im Haushalt seien vom Rat - einstimmig - rund 32 000 Euro zur Anschubfinanzierung bereitgestellt worden, auch wenn eigentlich das Land Niedersachsen für die Finanzierung zuständig sei. Das Ziel: Noch in diesem Jahr soll die Ganztagsschule an den Start gehen.

Entzündet hatte sich die erregte Diskussion im Schulausschuss an einer Stellungnahme der vier öffentlichen Grundschulen der Stadt, die in Planungsgruppen die Machbarkeit einer Ganztagsschule in ihren Schulen abgeklopft hatten: Danach sind alle vier Grundschulen grundsätzlich zur Einrichtung der Ganztagsbetreuung bereit, allerdings mit Einschränkungen. Während die Grundschule Am Harrl genügend Räumlichkeiten samt Mensa und Ruheraum hätte, ist es um die anderen drei Schulen schlechter bestellt, weil ihnen entsprechende Räumlichkeiten fehlen, so jedenfalls die Stellungnahmen. Diese liegen der Verwaltung bereits seit Anfang März vor, sind aber nicht an die Politik und Fraktionen weitergeleitet worden. "Der Politik sind die Grundlagen nicht bekannt", erregte sich Evesens Rektor Thielke. Die Politik gab den Schwarzen Peter umgehend an die Verwaltung weiter. Der Opposition liege das Papier überhaupt noch nicht vor, der Mehrheit erst seit Ende Mai, und das auch nur nach energischem Drängen. Es könne nicht angehen, dass die Stellungnahmen nicht zeitnah verteilt werden. "Hat die Spitze der Verwaltung dieses Papier bewusst zurückgehalten?", fragte CDU-Ratsherr Thorwald Hey am Rande der Sitzung. Ein Vorwurf, der von Bürgermeister Reiner Brombach auf Anfrage unserer Zeitung umgehend zurückgewiesen wurde. Seitens der Stadt sollte das Papier erst im Beirat und im zuständigen Amt analysiert und beraten werden, danach hätte es an die Politik weitergegeben werden sollen. Wegen der Vorbereitung der Jubiläumsfeierlichkeiten sei dies bis heute aber nicht geschehen. Brombach räumte aber ein, dass die Verwaltung die Stellungnahmen zeitgleich der Politik zur Verfügung hätte stellen können. "Wir haben bewusst anders entschieden, aber nicht, um Informationen vorzuenthalten." Zu Beginn der Sitzung hatte die Ausschussvorsitzende Gerda Wöbking auf die Bedeutung der Einrichtung von Ganztagsschulen hingewiesen. Eine Umfrage sei so "eindeutig" gewesen, "dass wir nicht mehr wegsehen dürfen. Wir müssen die Planungen vorantreiben und mit eigenen Mitteln anschieben, auch wenn das unpopulär ist." Nägel mit Köpfen: Erneut beraten wird am Mittwoch, dem 21. Juni.

Weiterführende Artikel
    Anzeige
    Kommentare