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Die Frühjahrswanderung der Landfrauen beginnt mit froher Kunde

Die Rückkehr der Farben

RINTELN/HOLTENSEN. Auf dem Parkplatz am Schweineberg treffen sich die beiden Gruppen gegen 14 Uhr: Die VTR-Wanderer haben die Märzenbecherblüte gerade erlebt, sie sind auf dem Rückweg, die Landfrauen Rinteln/Hessisch Oldendorf wollen gerade losgehen. Und die VTR-Gruppe kommt mit froher Kunde: „So schön wie in diesem Jahr haben sie lange nicht geblüht.“

Kalkhaltiges Grundgestein und ein passendes Kleinklima machen es möglich: In diesen Tagen blühen Zigtausende von Märzenbechern am Schweineberg. Foto: rnk
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Frank Westermann Redakteur zur Autorenseite

Sie, das sind die Märzenbecher, die sich hier zuweilen mit 80 bis 120 Blüten auf einem Quadratmeter dem staunenden Auge präsentieren, es ist die große Besonderheit des Schweinebergs: Die Blütenpracht, die jährlich im Vorfrühling viele Besucher anlockt; aus dem ganzen Norden kommen die Touristen, gerne auch mit dem Bus.

Aber nicht an diesem Tag, an dem die Landfrauen auf Tour gehen wollen, zehn Grad, aber leichtes und wenig einladendes Nieselwetter, nur wenige Wanderer sind an diesem Tag auf Märzenbecher-Tour.

Heidrun Kuhlmann, die bei den Landfrauen für diese Wanderungen zuständig ist, verbindet mit dem Frühling vor allem eines: Aufbruch. Wenn man nicht mehr das Gefühl hat, alles ist grau in grau, wenn in der Natur und im Leben die Farben zurückkehren: Dann ist Frühling. Die Jahreszeiten sind im Wandel der Natur der geheime Motor des Lebens auf Erden.

Am Schweineberg findet sich nicht nur eines der größten Vorkommen dieses Frühblühers in Norddeutschland, auch andere frühe Pflanzenarten sind zu sehen: wie Buschwindröschen und Winterlinge, Lerchensporn, Bärlauch und Waldmeister.

Was die Märzenbecher angeht, so zählt der Schweineberg zu einem der wenigen Orte in Deutschland, wo dieser natürlicherweise in größeren Beständen wächst. Ansonsten ist die Pflanzenart eher in Auwäldern und Laubmischwäldern Südeuropas beheimatet. Zu verdanken ist das Vorkommen unter anderem dem kalkhaltigen Grundgestein des Schweinebergs und dem dortigen Kleinklima.

Weil der Anblick der großen Märzenbecher-Flächen sehr schön ist, aber sich das Auge dann doch irgendwann sattgesehen hat, gibt es Bereiche, in denen die Wanderer auf andere Sehenswürdigkeiten hingewiesen werden, die sich hier ebenfalls finden lassen. Etwa die Weymouthskiefer, die aus den östlichen USA stammt, gegen Frost und Dürre unempfindlich ist, aber wegen der Blasenrostkrankheit nicht mehr angebaut wird. Die Kiefer im Schweineberg zählt zu den ältesten Anbauten im Weserbergland, vor 165 Jahren wurde sie dort angepflanzt.

Dass es im Naturschutzgebiet Schweineberg heute einen Waldinformationspfad gibt, ist den Förstern zu verdanken: Ehe das Waldrestaurant Heisenküche zum Ausflugsziel wurde, diente es von 1794 bis 1905 als Försterei.

Die nächste Wanderung der Landfrauen Rinteln/Hessisch Oldendorf steht am Mittwoch, 21. Juni, an. Das zweistündige Wandern zum Sommeranfang führt auf die Pilgeretappe von Rehren nach Hessisch Oldendorf. Treffpunkt ist um 14 Uhr die Kapelle Rehren. Anmeldungen nimmt Heidrun Kuhlmann unter 0 57 53/92 064 an.

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