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Agenturen sollen Geldservice zum Juli verlieren

Die Postbank nimmt jetzt Abschied von den Dörfern

Landkreis (jl/jpw). Etlichen Schaumburger Postagenturen droht neues Ungemach. Ihnen soll zum Juli der Service für die Postbank entzogen werden. Bis zum kommenden Montag haben die Postagenten Bedenkzeit. Wenn sie bis dahin einwilligen, sollen sie eine Abfindung bekommen. Die Nachricht vom Abbau dieser Dienstleistung, die besonders Dörfer betrifft, ist gestern auf reichlich Unmut gestoßen. Es werden bereits Aktionen vorbereitet.

So wie dem Steinberger Post-Partner Oliver Fischbeck ist es in den vergangenen Tagen etlichen seiner Kollegen ergangen. Fischbecks Betreuer von der Post AG hat den Kaufmann damit konfrontiert, dass er bis spätestens Mitte Juli den Postbank-Service verlieren solle. Falls er bis Montag zustimme, gebe es eine Entschädigung. Sonst werde sein Vertrag vermutlich -ohne Entschädigung -von der Postbank gekündigt. Fischbeck hat bis jetzt nichts unterschrieben und wird es wohl auch nicht tun, unter anderem weil er die Abfindung "für einen Appel und ein Ei", hält. Außer Steinbergen sind nach Angaben von Post-Sprecher Martin Grundler die Agenturen in Wölpinghausen, Münchehagen, Loccum sowie die drei Auetaler Poststellen in Rehren, Rolfshagen und Katrinhagen betroffen. Weitere Ortsnamen in Schaumburg und nächster Umgebung konnte Grundler nicht nennen. Er könne jedoch nicht ausschließen, dass andere Orte betroffen seien. Die Standorte, die jetzt auf der Streichliste stehen, decken sich in Schaumburg nahezu mit denjenigen, die im vergangenen Jahr von der Totalschließung der Agenturen betroffen waren. Jetzt sind sie laut Grundler unter dem Gesichtspunkt Postbank ins Fadenkreuz geraten, weil der Service ums Geld "in diesen Filialen dauerhaft nicht mehr wirtschaftlich zu erbringen ist". Der Postsprecher vermutet dass die niedrigere Kundenresonanz damit zusammenhängt, dass immer mehr Menschen ihre Bankgeschäfte mit dem Computer abwickeln oder "eine Filiale in der Nähe ihres Arbeitsplatzes" benutzen. "Andere postalische Dienstleistungensind nicht beeinträchtigt", versicherte der Sprecher. Der Bank-Service ist nach seiner Darstellung ein Extra, der nicht zum gesetzlichen Versorgungsauftrag der Post AG gehöre. Im Auetal zeigte sich gestern Bürgermeisterin Ursula Sapia entsetzt von der Nachricht. Die SPD-Politikerin will nach ihrem Bekunden zusammen mit den Agenten am Montag, wenn die Frist "möglichst viele Postbankkunden zusammentrommeln". Die Agenten sollen nicht allein sein, wenn der Agentur-Betreuer mit dem Auflösungsvertrag kommt. Für eine Farce hält Sapia die den Rehrener Bankkunden angebotenen Ausweichorte Hessisch Oldendorf und Lauenau. Rintelns Bürgermeister Karl-Heinz Buchholz äußerte "Unverständnis". "Das schwächt wieder einmal den ländlichen Raum", sagte er. "Die Unberechenbarkeit der Entscheidungen der Post AG hatärgerlich zugenommen", sagte der SPD-Bundestagsabgeordnete Sebastian Edathy auf Anfrage. Er schätzt, dass die Postbank im ländlichen Raum durchaus vorteilhafte Gschäfte machen könne und will das Unternehmen um eine Stellungnahme bitten. Das Vorgehen der Post AG sei "nicht seriös".

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