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Tauchen in der Lübecker Bucht

Die Ostsee von unten

Timmendorfer Strand. Schwacher Westwind, 24 Grad Außentemperatur. Die See ist glatt. Motorboote fahren umher und erzeugen ein paar Wellen, die den Strand erreichen. Hier spielen Kinder mit ihren Eltern, genießen Urlauber in Strandkörben den Spätsommer an der Lübecker Bucht und nehmen ein Bad in der Ostsee. Und damit sind sie nicht alleine: Unter ihnen, in acht Meter Tiefe, schwimmen vier Männer in Neoprenanzügen durch das Wasser. Es ist der vierte Tauchgang für Boris Schreiber und sein letzter, bevor der 30-Jährige den Padi Open Water Diver und damit den Grundtauchschein besitzt. Oder auch: die Eintrittskarte in die Tauchwelt und der Ausstieg aus dem Alltag, wie es beim Timmendorfer Tauchcenter nicedive4u gerne heißt. Mit Inhaber Thomas Günther ist Boris im Frühjahr das erste Mal in der Ostsee getaucht. Nach einer Stunde Schnupperkurs bei 15 Grad Wassertemperatur stand für ihn fest: „Das will ich machen.“

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Karen Klages

Autor

Karen Klages Reporterin zur Autorenseite

Die platte Flunder am Grund der Ostsee bewegt sich nicht. Mit dem Finger könnte Boris sie ganz leicht anheben, sind doch die Schwerkräfte unter Wasser andere. Doch er lässt sie in Frieden und widmet sich lieber wieder dem Fischschwarm, der gerade an ihm vorbeizieht. Heute, bei seinem letzten Tauchgang, ist die Sicht klar: Vier Meter weit kann er gucken, hat guten Sichtkontakt zu Hemberle und den Begleitern Christian und Udo. Mit Daumen und Zeigefinger formt Boris ein O; das Zeichen dafür, dass alles okay ist. Mit 30 Kilogramm Gewicht, darunter die Atemluftflasche, geht es für ihn weiter durch die Ostsee. Aber nicht alleine. „Man sollte immer mindestens zu zweit tauchen“, sagt Tauchlehrer Hemberle. Während seines nächsten Ostsee-Aufenthalts wird Boris daher an einem geführten Tauchgang von nicedive4u teilnehmen. „Vielleicht ja mal zu einem Wrack in der Lübecker Bucht“, sagt er. Thomas Günther und sein Team bieten solche „Ausflüge“ ab Travemünde an. Von dort aus geht es für maximal acht Taucher mit dem Boot hinaus auf die Ostsee. Und dann hinein ins Wasser zu einem Wrack…

Zurück zum Strand. Noch ahnen die Ostsee-Urlauber nicht, dass in ein paar Minuten vier Männer in Neoprenanzügen und mit Maske und Schnorchel unweit von ihnen, circa 20 Meter vom Strand entfernt, an der rot leuchtenden Boje auftauchen werden. Diese dient dazu, dass Bootsfahrer wissen, dass unter ihnen getaucht wird. Jürgen Hemberle und seine Crew finden den Weg zurück zur Boje per Kompass. Neben der Sauerstoffflasche das wohl zweitwichtigste Utensil bei dieser Sportart.

Nach fast zwei Stunden unter Wasser erreichen Hemberle und seine Schützlinge die Meeresoberfläche. Keiner von ihnen hat die Boje verfehlt. Noch ein paar Meter schwimmt das Quartett in Richtung Strand, dann hat es auch schon wieder Boden unter den Füßen und kann gemeinsam durchs Meer schreiten. Grüne Algen kleben an den Füßlingen. Der mit Wasser gefüllte Anzug wiegt jetzt noch mehr als vor dem Tauchgang. Erschöpft, aber glücklich, nun auch den praktischen Teil des Tauchscheins bestanden zu haben, erreicht Boris den Sandstrand. Doch was er nicht ahnt: Seine schlimmste Prüfung steht ihm noch bevor. Zurück an der Basis des Centers wird er von den Lehrern Jürgen Hemberle und Thomas Günther stilecht in die Tauchergemeinschaft aufgenommen. Durch einen Schnorchel muss er eine Flasche friesisch herbes Bier „exen“. Das gibt’s wohl nur nach einem Ostsee-Tauchkurs. Dann trägt Hemberle noch den letzten Tauchgang in das Logbuch seines Schülers ein – und schon hat er seinen Schein und kann damit überall auf der Welt die geheimnisvolle Unterwasserwelt erkunden. „Wer in Ostsee tauchen gelernt hat, für den sind andere Gewässer keine große Herausforderung mehr“, sagt Tauchcenter-Inhaber Thomas Günther.

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  • Beim Tauchen kommt man den Bewohnern der Ostsee ganz nah. pr
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  • Zeig her den Krebs! pr

Scholle oder Seestern, Hecht oder Hering, Muschel oder Meerforelle: Die Ostsee hat ihre ganz eigenen Schätze, die beim Tauchkurs entdeckt werden können. Wer einmal unten war, will’s immer wieder tun. Auf Tauchstation in Timmendorfer Strand.

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