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Vor Gericht: Es geht um dreieinhalb Jahre Haft für einen 37-Jährigen / Berufungsverhandlung

"Die Macht der JVA": Vergewaltigung auf Zelle 231

Bückeburg (ly). Vergewaltigung auf Zelle 231: Um seine Macht zu demonstrieren, soll ein Häftling der JVA Bückeburg einen anderen Insassen zum Oralverkehr gezwungen haben. Im November hatte das Schöffengericht den 37-Jährigen in erster Instanz wegen Vergewaltigung, Nötigung und Körperverletzung zu dreieinhalb Jahren Haft verurteilt (wir berichteten). Vor dem Landgericht hat jetzt die Berufungsverhandlung begonnen.

"Ich habe nix geschlagen und kein Sexualdelikt gemacht", erklärte der angeklagte Deutschrusse, der die Vorwürfe "unglaublich" findet, zum Auftakt. Mit einem Urteil ist frühestens Ende Juli zu rechnen. Bis dahin will die 4. Kleine Strafkammer einen von Verteidiger Reiner Wötzel benannten Zeugen ausfindig machen und vernehmen, dem das mutmaßliche Opfer (30) erzählt haben soll, dass die Geschichte nicht stimmt. Darüber hinaus hat Wötzel bereits angekündigt, ein Gutachten über die Glaubwürdigkeit des 30-Jährigen beantragen zu wollen. Der einzige Augenzeuge, ein damaliger Zellengenosse, ist mittlerweile verstorben. An der Schuld des Angeklagten hatten die erstinstanzlichen Richter keine Zweifel. Danach waren der Vergewaltigung im Januar 2005 andere Demütigungen vorausgegangen. Das Opfer, so hieß es im Urteil, sei getreten und geschlagen worden, habe danach fast nackt, nämlich nur mit einer Unterhose bekleidet, die Zelle putzen müssen. Drei Männer auf ein paar Quadratmetern - in diesem Fall ging es nicht gut. Bereits vor der Eskalation hatte sich die Situation wochenlang aufgeschaukelt. Der körperlich weit überlegene Russlanddeutsche, aus Sicht der Staatsanwaltschaft "Boss auf der Zelle" und "eine Macht innerhalb der JVA", will von seinem Zellenkollegen "richtig genervt" gewesen sein. "Der schnarchte, spielte bis in die Nacht und ging beim Essen aufs Klo", erinnerte sich der 37-Jährige an die gemeinsame Zeit im Knast. Zwischenzeitlich sitzen beide Männer in anderen Gefängnissen. Vor dem Landgericht trafen sie sich wieder. Es dauerte nur wenige Minuten, bis das mutmaßliche Opfer im Zeugenstand zu weinen begann. Danach versuchte der 30-Jährige, sein Gesicht mit der Hand gegen die Blicke des Angeklagten zu schützen. Erneut hinterließ der unter anderem wegen Diebstahls inhaftierte Kleinkriminelle den Eindruck, ein psychisch schwer angeschlagener Mann zu sein.Im ersten Prozesss war bekannt geworden, dass er früher schon einmal sexuell missbraucht worden ist. Wer vergewaltigt wird, rutscht im Knast auf die unterste Stufe der Hierarchie.

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