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Stiftskirche: Sanierung beginnt / Morgen Säuberungs-Aktion / Gottesdienst am 4. Advent

"Die Kirche wird für immer erhalten bleiben"

Obernkirchen (mld). Tradition, Geborgenheit, Offenheit: Diese drei Stichworte betont Dr. Hermann Müntinga immer wieder, als er die ersten neugierigen Obernkirchener bei einer Besichtigung der in Gerüste gehüllten Stiftskirche begrüßt. Über 50 Jahre musste die Bergstadt auf das große Projekt, die Sanierung der Stiftskirche, warten, jetzt hat es endlich begonnen: Seit diesem Jahr werden die Fenster ausgebessert, die Wände gestrichen, neue Elektrik installiert, wird die Einrichtung erneuert. Auf zehn Jahre ist die Renovierung des über 800 Jahre alten Gotteshauses angesetzt. Bis Weihnachten soll die Hälfte der Fenster in neuem Glanz erstrahlen, auf der Südseite sollen die Fenster innerhalb des nächsten Jahres folgen.

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"Die Kirche wird ihrer Stadt für immer erhalten bleiben", gibt sich Müntinga, der Vorsitzender des Fördervereins Stiftkirche und Obernkirchener Pastor im Ruhestand ist, angesichts der Renovierungsarbeiten zuversichtlich. Und auch Ralf Schönbeck vom Förderverein ist enthusiastisch, wenn es um die Renovierungsarbeiten geht - nur hat er gleichzeitig ein Auge auf die Finanzen: "Wir wollen so viel wie möglich in Eigenarbeit erledigen", erzählt er. Den Putz an der Nordseite der Kirche zum Beispiel haben Rolf-Bernd de Groot von der Stadtverwaltung und Malermeister Michael Leberke gestrichen, meist am Wochenende und am Abend, wenn es ihre Zeit zuließ. Die sanierte Wand unterscheidet sich deutlich von dem dunkel und fleckig gewordenen Weiß der übrigen Wände. Für die Innensanierung der Stiftskirche kommt allein der Förderverein auf, der 2001 gegründet wurde und durch Spendengelder schon die Sanierung des Kirchturms und eine neue Turmtreppe bezahlen konnte. "Die Sanierungsarbeiten sind sehr aufwendig", sagt Schönbeck. Allein für die Überarbeitung der Kirchenfenster schätzt er Gesamtkosten von 500 000 Euro - die in diesem Fall allerdings von der Landeskirche bezahlt werden. Wie viel der Förderverein in den nächsten Jahren für die Arbeiten an der Kirche ausgeben wird, vermag Schönbeck nicht zu schätzen. "Es ist schon viel heller in der Kirche geworden", kommentiert Pastor Wilhelm Weinberg, während er das einzige Fenster betrachtet, das schon von Baugerüst und Abdeckung befreit wurde. Alle Kirchenfenster waren sechs Monate in einer Glaserei in Quedlinburg, wo jede Glasscheibe ausgebessert, gereinigt und neu in Blei gefasst wurden. "Und die Mechanik funktioniert super!", freut er sich, während er das Fenster über einen langen Hebel öffnet und wieder schließt. Die Arbeiten an den Fenstern haben einen Rattenschwanz an Baustellen nach sich gezogen: Während sich die Fenster in der Glaserei befanden, wurden zuerst ihre Sandstein-Fassungen saniert, dann Kabel für die neue Beleuchtung und eine Lautsprecheranlage verlegt, bevor der Putz ausgebessert und die Wand an der Nordseite geweißelt wurde. Entsprechende Spuren hat die Sanierung in der Kirche hinterlassen: Der gesamte Altarraum ist noch in Plastikplanen gehüllt, die Fenster sind abgeklebt, kalkiger Staub hat sich auf alles niedergelegt. Das soll sich bald ändern: Am Sonnabend, 13. Dezember, finden sich Mitglieder des Fördervereins und freiwillige Helfer in der Stiftskirche ein, um das Gotteshaus wieder auf Hochglanz zu bringen. Wer mithelfen möchte, kann ab 9 Uhr in die Kirche kommen und sich bei Ralf Schönbeck melden. Doch auch langfristig gibt es noch viel zu tun: Vor die Fenster sollen in den kommenden Wochen wieder, wie vor den Sanierungsarbeiten, Schutz-Gitter kommen, feinmaschig und aus robustem Edelstahl. Auch für das kommende Jahr hat sich der Förderverein schon Projekte ausgesucht: "Die Sakristei, der Bereich um die Orgel, der Altarraum und die Ausstellungsfläche", zählt Schönbeck auf, "sollen so bald wie möglich saniert werden. Und wenn dann noch Geld da ist, kümmern wir uns um das Gewölbe." Am 21. Dezember wird die Kirche wieder für die Obernkirchener bereit stehen, wenn Pastor Weinberg den Gottesdienst für den 4. Advent abhalten wird. "Bis dahin sind hoffentlich alle Gerüste verschwunden", so der Pastor, auch wenn der Anblick von abgeklebten Fenstern und der verhüllten Kanzel ihm Sorgenfalten auf die Stirn treiben. "Aber zumindest", sagt er zuversichtlich, "können wir die Kirche bis dahin wieder beheizen."

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