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Awo-GSD-Insolvenz: Bislang keine Entscheidung über Verkauf der Einrichtungen

Die Interessenten prüfen noch

Bad Münder. Die ersten Teile des ehemals gemeinnützigen Konzerns Awo GSD sind so gut wie verkauft: Die medizinischen Versorgungszentren und die ambulanten Dialysezentren in Bad Münder, Hann. Münden und Hannover gehen an den amerikanischen DaVita-Konzern. Sie gelten als die „Sahnestücke“ im Angebotskorb der insolventen Gesundheitsdienste, zum 1. Oktober soll der Kauf – stimmt der Gläubigerausschuss zu – vollzogen werden.

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Jens Rathmann Redakteur zur Autorenseite

Über den aktuellen Stand des Vorab-Verkaufs informierte gestern der Generalbevollmächtigte der Awo GSD-Geschäftsführung, Dr. Rainer Eckert, die Beschäftigten am Standort Bad Münder. Die direkt betroffenen Mitarbeiter seien bereits von den Veränderungen in Kenntnis gesetzt worden, erklärte der Rechtsanwalt.

Ursprüngliches Ziel Eckerts war es, die Awo GSD möglichst komplett an ein Bieter-Konsortium zu verkaufen. Ein Schritt, für den es bereits die Zustimmung aus weiten Teilen der Beschäftigten gab. Nach dem „Nein“ der Ärzteschaft in Hann. Münden zu den in einem Angebot des Konsortiums geforderten Mitarbeiterbeiträgen war dem Verhandlungsführer Dr. Reinhard Wichels von WMC Healthcare jedoch ein Investor abgesprungen. DaVita, Teil des Konsortiums, kam ohne die Partner bei den für den Konzern interessanten Bereichen zum Zug. Mit einem neuen Investor an der Seite bietet Wichels auch weiter um stationäre Teile der Awo GSD. Mit ihm allerdings auch andere Unternehmen aus dem Gesundheitsbereich wie die Mediclin Gruppe und die Gesundheit Nordhessen Holding (GNH) – wobei der Schwerpunkt des Interesses der Hessen in Hann. Münden liegt.

„Der Investorenprozess bezüglich des stationären Teiles schreitet weiter voran“, erklärte Eckart gestern in Bad Münder. Er habe für alle Einrichtungen Angebote erhalten. Unter anderem stünden Begutachtungen von Gebäuden durch Architekten noch aus, morgen soll damit begonnen werden. „Parallel dazu verhandeln wir weiter die Vertragswerke“, so Eckart. Ob der stationäre Part zum 1. November oder 1. Dezember an einen neuen Investor übergeben werden könne, konnte er gestern nicht sagen. „Die Zeitschiene hängt ganz entscheidend davon ab, dass die letzten Prüfungshandlungen der Investoren zu Ende gebracht werden.“

Der Rechtsanwalt ließ gestern aber auch keinen Zweifel daran aufkommen, dass die Zeit gegen die insolventen Gesundheitsdienste spielt. Allerdings habe der Verkauf von Dialysen und medizinischen Versorgungszentren dazu beigetragen, dass „wieder Wasser unterm Kiel“ sei.

Eine Option zur Kostenreduzierung, die intensiv geprüft wird: das Vorziehen der geplanten Einhäusigkeit am Standort Hann. Münden. Dort bauen die Awo GSD mit Millionenförderung des Landes, um ihr Nephrologisches Zentrum Niedersachsen (NZN) mit dem ehemaligen Evangelischen Vereinskrankenhaus (VKH) zu verschmelzen. Mit der Übernahme hatte die Awo 2012 die drohende Insolvenz des VKH abgewendet. Könnte die Zusammenführung früher als bisher geplant gelingen, würde das die Kosten erheblich senken. In Hann. Münden wird zudem über eine Unterbringung von Flüchtlingen im ehemaligen VKH-Gebäude diskutiert.

Mitarbeiterfragen nach der Sicherung der Gehälter beantwortete Eckard mit dem Hinweis auf die derzeit gute Belegung der Awo-Einrichtungen in Bad Münder. Die Planung der Geschäftsführung sehe in der Sicherung der Gehaltszahlungen derzeit keine Gefährdung. Verkaufserlöse aus dem Bereich Dialyse und MVZ sollen in Teilen genutzt werden, um Verluste zu tragen.

Die drängendste Frage der Mitarbeiter, die nach dem Ende der der Verhandlungen, konnte der Rechtsanwalt nicht abschließend beantworten. „Wir können für den Kauf werben, können die Braut so hübsch machen, wie es uns gelingt – aber wir können niemanden zwingen, hier als Träger einzutreten. Wir haben Interessenten, wir haben auch für jeden Teil mehrere Interessenten“, stellte Eckart heraus.

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