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Jessica Blume und Frank Suchland rezitieren Mascha Kaléko und Erich Kästner / Behutsames Zwiespiel

Die Hafen-Poesie bewegt und begeistert

Bückeburg (bus). Der erste gemeinsam bestrittene Rezitationsabend der Bückeburger Künstler Jessica Blume und Frank Suchland hat am Allerheiligen-Sonnabend ein gleichermaßen bewegtes wie begeistertes Publikum hinterlassen. Das vom Kulturverein unter der Prämisse "Du aber bist d er Hafen - Poesie bei Kerzenschein" im Joël-Le-Theule-Saal des Rathauses offerierte Zwiespiel bot eine Variante von Literaturpräsentation, der eine Wiederholung gut zu Gedicht stünde.

Behutsamnes Zwiespiel: Jessica Blume greiftüberwiegend Texte von

Für die schriftstellerische Basis des von der derzeit in Paris lebende Gitarristin Catharina von Bargen musikalisch kongenial "unterbrochenen" Abends zeichneten die Autoren Mascha Kaléko (1907 bis 1975) und Erich Kästner (1899 bis 1974) verantwortlich - zwei seelenverwandte Persönlichkeiten, in deren Schaffen das turbulente Leben im Berlin der 1930er Jahre unverwischbare Stempelspuren hinterlassen hat. "Bei allen Unterschieden verfügten beide aber über viele Gemeinsamkeiten", erläuterten die Rezitatoren. Speziell der Vorliebe für die so genannte Neue Sachlichkeit komme prägender Charakter bei. Blume und Suchland füllten die Erläuterungs- und Vortragsrollen zu gleichen Teilen aus und orientierten sich dabei - bis auf eine Ausnahme - streng an den Vorgaben des Geschlechtspezifischen. Gerade diese Ausnahme, als Blume Kästners "Ansprache einer Bardame" und Suchland Kalékos "Kleines Liebeslied" interpretierte, vermittelte dem mitunter über alle Begeisterung das Beifallspenden vergessenden Auditorium indes den besonderen Reiz des Doppelspiels. Und: Blumes weiblich-gegenpartiges - reale Wiegeergebnisse sind an dieser Stelle zu ignorieren - "Schwergewicht" verhalf dem hierzulande in letzter Zeit eher alsAllzweckvorleser spökenkiekerisch-heiter-ungefähren Zuschnitts von sich hören machenden Suchland zu enormer Konturverschärfung. "Der wird immer besser", war im Kreis der Besucher zu hören. Kaléko/Kästner respektive Blume/Suchland befassten sich vor allen Dingen mit der behutsamen Ausleuchtung des menschlichen Miteinanders. Es ging - Anbandeln, Eifersucht, Ehetrott und Abschied inklusive - um lieben und geliebt zu werden. Und um damit verbundenen Fragen. "Soll man sein Herz bestürmen:"Herz, sprich lauter!" / da es auf einmal leise mit uns spricht? / Einst sprach es laut zu uns. Das klang vertrauter. / Nun flüsterts nur. Und man versteht es nicht." Und es ging, wenige Momente vorm formidablen Schlussapplaus, auch um traumschöne Bekenntnisse: "Du bist der Leuchtturm. Letztes Ziel. / Kannst Liebster, ruhig schlafen. / Die Andern... das ist Wellenspiel. / Du aber bist der Hafen."

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