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Neonazi-Aufmarsch in Bad Nenndorf: Moderne Computertechnik und Video unterstützen den Polizeieinsatz

"Die Einsatzleitung lebt vom Informationsaustausch"

Bad Nenndorf (rd). Der Aufmarsch von Rechtsextremen sowie die zeitgleiche Gegendemonstration verschiedener Linker haben am Sonnabend den Einsatz von rund 1000 Polizisten gefordert. Koordiniert worden ist die Polizeiaktion von der in der Bad Nenndorfer Dienststelle untergebrachten Einsatzzentrale - dem "Gehirn" dieses Einsatzes.

Während des Einsatzes wird es auch in der Zentrale stressig: Pol

Die gesamte obere Etage des in der Hauptstraße 18 gelegenen Dienstgebäudes ist nach Auskunft von Polizeipressesprecher Axel Bergmann zur Einsatzzentrale umfunktioniert worden. Rund 25 Polizeibeamte um den Gesamteinsatzleiter Frank Kreykenbohm sind dort für die Leitung und Lenkung des Einsatzgeschehens vor Ort sowie die Information der im Außendienst tätigen Polizisten verantwortlich gewesen. Ein Großteil der Beamten sei dort bereits seit mehr als einer Woche beschäftigt gewesen, den Großeinsatz vorzubereiten, erläuterte Bergmann. Zu den insgesamt rund 1000 Polizeibeamten, die wegen der Demonstrationen in Bad Nenndorf sowie an den Bahnhöfen in Haste und Bantorf im Einsatz waren, zählten laut Bergmann auch zahlreiche Bundespolizisten, die ihren Dienst jedoch ausschließlich in den zum Veranstaltungsort fahrenden Zügen verrichteten. Auch mit Letzteren stehe man in engem Kontakt. Die Einsatzleitlinien fasste Bergmann wie folgt zusammen: Die Umsetzung der beiden genehmigten Demonstrationen wolle die Polizei ermöglichen, dabei aber Straftaten verhindern beziehungsweise verfolgen und die Beeinträchtigungen für die Bevölkerung bezüglich deren Alltagsleben so gering wie möglich halten. Daran gemessen, sei der Personaleinsatz festgelegt worden. Unter dem Aspekt "so viel wie nötig, aber so wenig wie möglich" habe die Polizei auf Erfahrungswerte zurückgegriffen. "Die Einsatzleitung lebt vom Informationsaustausch", wobei der Informationsaustausch mit den Beamten vor Ort in beide Richtungen gepflegt werden müsse, erläuterte Bergmann. Eine wesentliche Bedeutung für die Entscheidungsfindung und Koordination seitens der für verschiedene Bereiche zuständigen Einsatzleiter komme hierbei einem "web-gestützten Einsatztagebuch" zu: Alle Informationen, welche die Einsatzzentrale etwa über Funk, Mobiltelefon oder per SMS von außen erreichten, wurden von Bediensteten der Polizei erfasst und in diesem Computernetzwerk minutiös gespeichert. Außer einer fortlaufenden Nummer gehörte zu jedem Eintrag die Uhrzeit, eine kurze Beschreibung des Sachverhalts, Besonderheiten und der Name des Meldenden. So kam gegen 11.35 Uhr etwa die Information herein, dass der sich am Bahnhof in Bad Nenndorf aufhaltende - laut Bergmann - "gewaltbereite Anteil" Linksautonomer aufgefordert worden war, mitgeführte verbotene Gegenstände abzugeben, da die Versammlung von der Polizei andernfalls aufgelöst würde. Im Verlauf des wechselhaften Einsatzgeschehens steigerte sich die in der Einsatzzentrale ohnehin stets vorhandene Betriebsamkeit mitunter auf hohes Maß. So etwa als gegen 11.53 Uhr gemeldet wurde, das sich ein Personenzug mit rund 120 Rechtsextremisten an Bord von Haste aus nach Bad Nenndorf in Bewegung gesetzt hatte, der Bad Nenndorfer Bahnhof zu diesem Zeitpunkt jedoch noch nicht von den Vertretern des Linken Spektrums geräumt worden war. Eine Konfrontation der beiden Gruppen galt es in jeden Fall zu vermeiden. Dementsprechend schnell mussten die entsprechenden Informationen und Anweisungen weitergeleitet werden. Denjenigen, die den Bahnhof zunächst nicht freigeben wollten, sei schließlich angedroht worden, sie in "Verbringungsgewahrsam" zu nehmen, erklärte Bergmann. Daraufhin haben sie sich dann durchsuchen lassen und doch das Feld geräumt. Als weiteres Hilfsmittel standen der Einsatzleitung Live-Bilder einer Kamera zur Verfügung, die auf einem der für die Aufmärsche vorgesehenen Begleitfahrzeuge installiert war. "Damit wir ein Bild davon haben, wie es draußen aussieht", so Bergmann. Mit den jeweiligen Anmeldern der beiden Demonstrationen sei jedoch erörtert worden, dass die laufende Übertragung zunächst nicht aufgezeichnet werde. Sofern allerdings Straftaten verübt werden, würde man die Bilder selbstverständlich zur Einsatzdokumentation und zu Beweiszwecken speichern. Bergmann: "Da wären wir ja schlecht beraten, wenn wir die Möglichkeit nicht nutzen würden."

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