weather-image
15°
Ralf Reichau sucht seit Mitte April einen Softwareentwickler - und findet keinen / Agentur wiegelt ab

"Die Arbeitsvermittlung funktioniert nicht"

Stadthagen/Helpsen (ca). "Die Arbeitsvermittlung durch die Agentur für Arbeit funktioniert nicht", meint Ralf Reichau. Seit Mitte April sucht der Geschäftsführer der Firma "mcm Prüfsysteme" über die Stadthäger Arbeitsagentur einen Softwareentwickler für ein neu zu gründendes technisches Büro in Helpsen. Erst Mitte Juni sei die Bewerbung eines geeigneten Kandidaten auf seinem Tisch gelandet. "Die Stelle hätte aber bereits zum 1. Mai besetzt sein können", meint Reichau. Der Ingenieur hat nun den Eindruck, in den Agenturen werde "verwaltet und nicht bearbeitet".

Am 18. April mailte Reichau eine Stellenbeschreibung zur Veröffentlichung im Internetportal der Stadthäger Agentur für Arbeit. Diese sei "möglicherweise nicht weitergebucht" worden, sagt Gerhard Wagner, arbeitgeberorientierter Vermittler bei der Agentur und Ansprechpartner Reichaus. Die E-Mail sei nicht in seinem Ordner gelandet, gibt Wagner zu und räumt damit einen Fehler seitens der Agentur ein. Erst am 24. Mai, nachdem Reichau die Stellenbeschreibung nochmals gemailt hatte, wurde diese ins Internet gestellt. Bis dato hatte Reichau sich selber vier Kandidaten aus dem Internet gesucht. Diese hätten entweder eine leitende Position haben oder mehr als 3000 Euro Einstiegsgehalt verdienen wollen, berichtet er. "Ein Kandidat hat mir vorgerechnet, das seine im öffentlichen Dienst beschäftigte schwerbehinderte Frau mit einer Dreiviertel-Stelle ebenfalls 3000 Euro verdient und sogar sieben Wochen Urlaub bekomme. Er schickt lieber seine Frau zur Arbeit", erzählt Reichau und schüttelt den Kopf. Wagner meint hingegen, dass die Agentur Bewerber nicht dazu zwingen könnte, diese Stelle anzunehmen, zumal da Reichau auch das Einverständnis zum europaweiten Einsatz und zur Rufbereitschaft voraussetzt. Sechs Kandidaten meldeten sich aufgrund der Suche im Internet bei Reichau. "Nur ein Bewerber bezog sich auf das Internetportal der Agentur für Arbeit", die übrigen hätten die Stelle über andere Jobbörsen gefunden. Dies erklärt Wagner damit, dass Arbeitssuchende im Internet die passenden Suchbegriffe eingeben müssten, um auf Reichaus Stelle zu stoßen. Weil bei der Agentur für Arbeit zudem Mitarbeiter ausschließlich für Arbeitnehmer oder Arbeitgeber zuständig seien, hänge eine erfolgreiche Suche nach geeigneten Kandidaten von den Eingaben der Arbeitsvermittler ab. Wagner: "Das ist für uns ein bisschen ein Problem. Wir müssen uns auf die Einträge der Kollegen verlassen." Reichau hatte bis Mitte Juni nichts von der Agentur für Arbeit gehört und schrieb deshalb einen Beschwerdebrief. Bei so hochqualifizierten Anfragen wie von Reichau werde nach Einstellen der Stelle ins Internet ein paar Wochen abgewartet, erklärt Wagner die Funkstille. Mehr als 100 mögliche Interessenten hätten auch auf die Stelle zugegriffen. Als nächsten Schritt hat Wagner dann jedoch die Initiative ergriffen und die Stelle in einem Anzeigenblatt veröffentlicht. "Herr Reichau hätte erwartet, dass dieser Schritt viel früher getan wird." Doch werde eben zwei bis drei Wochen gewartet und dann erst wieder Kontakt mit dem Arbeitgeber aufgenommen, um weitere Initiativen auszuloten, erklärt der Vermittler. Nun hat Reichau endlich eine vielversprechende Bewerbung auf dem Tisch für seine immer noch unbesetzte Stelle. Sein Fazit: "Ich ärgere mich, dass ich ein System finanziere, das keine Effizienz hat", macht er sich Luft. Überzeugt von der Arbeitsweise der Agentur für Arbeit ist hingegen Friedrich-Wilhelm Rode, Leiter der Stadthäger Einrichtung. Er erklärt, weshalb eine Suche auch mal länger dauern kann: "Bisher war niemand dabei, der dem Stellenprofil Reichaus hinreichend genügt." Es gebe zudem viele Gründe,weshalb sich ein Arbeitssuchender nicht für eine Stelle interessiert. Den Eindruck, den Reichau von der Agentur gewonnen habe, sei "nicht richtig". Rode: "Wir sind hinter den Vermittlungen her wie der Teufel hinter der Seele."

Weiterführende Artikel
    Anzeige
    Kommentare