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Im Mai beginnt Unwettersaison: Erhöhtes Risiko von Starkregen und schweren Gewittern bis August

Deutsche "Tornado-Alley" geht bis Schaumburg

Landkreis. Im Mai beginnt die Unwettersaison. Bis weit in den August hinein besteht dann wieder eine erhöhte Gefahr von Extremwetter mit Stark- und Dauerregen, schweren Gewittern, Sturmböen und Hagel. Und selbst örtliche Tornados sind nicht ausgeschlossen.

Wenn das Wetter den Besuch im Eiscafé verhagelt: Im Mai beginnt

Autor:

Reinhard Zakrzewski

Motor dieser hauptsächlich im Sommerhalbjahr auftretenden Wetterturbulenzen ist die Strahlkraft der Sonne. Sie heizt den Boden und die unteren Luftschichten auf, liefert aber auch über die Verdunstung viel Energie in die Atmosphäre. Schwere Unwetter entwickeln sich, wenn die atmosphärischen Bedingungen besonders günstig sind (hohe Temperaturen und Luftfeuchtigkeit, labile Luftschichtung). Das ist vor allem im Sommer der Fall, wenn auf der Vorderseite eines Tiefdruckgebietes über dem Ostatlantik feuchtheiße Subtropikluft aus dem Mittelmeerraum zu uns gelangt. Kommt noch eine Kaltfront aus Westen mit ins Spiel, kann es heftig werden. Vorzugsweise am Nachmittag schießen dann Wolkentürme wie Pilze in den Himmel und einzelne, normalerweise kurzlebige Gewitterzellen, können sich zu langen Gewitterketten und ausgedehnten Gewitterkomplexen (Superzellen) zusammenschließen. Mit örtlich schwerem Hagelschlag, Starkregen, orkanartigen Windböen oder auch mal einem Tornado (Windhose), legen sie weite Strecken zurück und richten erhebliche Schäden an. Brennpunkte in Deutschland sind das Alpenvorland, der Mittelgebirgsraum, die großen Städte im Ruhrgebiet sowie die Metropolen Hamburg und Berlin mit ihren aufgeheizten Häusermeeren und erhöhten thermischen Luftturbulenzen. Im Schaumburger Land geht es mit etwa 22 Gewittertagen im Jahr (Schwerpunkt Juli) noch vergleichsweise ruhig zu. Doch das scheint sich zuändern. Bei Landwirten und Versicherungen in Niedersachsen schrillen schon lange die Alarmglocken: Seit etwa 20 Jahren beobachten sie eine Zunahme wetterbedingter Schäden, insbesondere durch Hagel. Ob das am Klimawandel liegt, ist noch nicht ganz unklar. Klimamodelle zum Treibhauseffekt deuten jedenfalls darauf hin. Die Liste schwerer Unwetter war auch im letzten Jahr im Schaumburger Land wieder lang. Und auch der Albtraum, ein Tornado, wurde wahr, sogar ganz in unserer Nähe. So senkte sich am Abend des 12. Juni 2007 bei einem schweren Gewitter ein Wolkenwirbel auf das Stadtzentrum von Hameln und richtete auf einer Strecke von rund drei Kilometern in Sekundenschnelle erhebliche Sachschäden an. Ein ähnliches Wetterphänomen wütete etwa zur selben Zeit im acht Kilometer entfernten Diedersen. Einen regelrechten Tornadoausbruch gab es am 18. Januar 2007 beim Durchzug von Orkantief "Kyrill". Im Raum Hannover, Steinhuder Meer und Barsinghausen wurden gleich mehrere der Wolkenschläuche gesichtet. Neuere Untersuchungen gehen bundesweit von durchschnittlich acht bis neun voll entwickelten Tornados jährlich aus, die in Einzelfällen durchaus die Zerstörungskraft nordamerikanischer Exemplaren erreichen können. Im Mittel tobt einer pro Jahr (0,9) auch durch die deutsche "Tornado-Alley", die knapp östlich von Osnabrück beginnt und das Dreieck Dümmer See, Bielefeld und Steinhuder Meer umfasst. Das Risiko für das Schaumburger Land liegt bei "nur" 0,4 Tornados im Jahr. Das heißt: Etwa alle zwei Jahre können wir mit einem solchen Ereignis rechnen. Ursache für den Tornado-Hotspot in unserer Nähe, sind wahrscheinlich die Landschaftsformen am Mittelgebirgsnordrand. Dabei fällt auf, dass die meisten dieser teuflischen Himmelsboten entlang der Höhenzüge von Wiehen- und Wesergebirge und des Teutoburger Waldes entstehen. Für nordwestliche Winde bildensie praktisch einen Korridor, in dem beim Durchgang von Gewitterfronten mit nordwestlicher Anströmung Luftturbulenzen verstärkt oder auch zu Tornados angestoßen werden. Obwohl sich - entgegen der landläufigen Meinung - die Qualität der Wettervorhersagen ständig verbessert hat, kommen die numerischen Modelle mit der Prognose lokaler Wetterextreme noch nicht klar. Bislang können sie bestenfalls regionale Gefahrenlagen erkennen. Wo und wann sich genau eine Gewitterzelle, ein Hagelunwetter oder gar ein Tornado bildet, bleibt unklar. Deshalb wird beim Deutschen Wetterdienst zurzeit mit Hochdruck an räumlich hochauflösenden Modellen gearbeitet, die auch vor kleinräumigen Unwettern warnen sollen. Für die Vorhersage von Tornados wird es auf absehbare Zeit wohl nicht reichen. Übrigens: Die besten Unwetterwarnungen bis auf Kreisebene hinunter bietet der Deutsche Wetterdienst kostenlos im Internet unter "www.wetter.com".

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