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Schaumburger Abend des Heimatbundes: Von Reinekingüber klassische Musik bis zu Wilhelm Busch

"Der Traum der Grafschaft Schaumburg, er lebt"

Rinteln (who). "Der Traum der Grafschaft Schaumburg, er lebt immer noch." Der Rintelner Redakteur und Kabarettist Ulrich Reineking war sich da ganz sicher, als er beim Schaumburger Abend des Heimatbundes am Sonnabend sei ne Zuhörer im Rintelner Ratskellersaal einstimmte. Heimat definiere sich durch vielfältige Elemente, auch wenn manches davon wohl eher bei der Generation über vierzig Erinnerungen auslöse, sinnierte Reineking unüberhörbar und ohne Mikro in den Saal hinein. Vieles habe sich verändert, erinnerte er an unbefangene Kindertage, als kleine Jungen noch ohne Schutzhelm und ungebremst mit dem Fahrrad durchs Dorf düsen und sich gelegentlich mit Holzschwertern heiße Gefechte liefern durften. Dabei seien keine entsetzten Aufschreie der Erwachsenen zu befürchten gewesen, "und trotzdem haben wir dasüberlebt", so der aufmerksame Beobachter der Szenen und des Wandels des allzu täglichen Lebens.

Dr. Rolf Stich mit der Querflöte und Dr. Fred Eichler an der Git

So lange es aber noch Menschen wie den Rintelner Kaufmann Theo Milonas gebe mit einem original RI-Kennzeichen am Oldtimer-Lieferwagen und die Stadtfahne auf dem Klippenturm wehe, sei Platz für den Traum von der alten Grafschaft Schaumburg, hielt Reineking fest. Die künftige gemeinsame Tourismuswerbung von Rinteln und Hessisch Oldendorf mache Hoffnung. Überdies wäre "in diesem Urgrafschafter Tandem eine Geldvernichtungsmaschine wie die Erlebniswelt Renaissance bestimmt nie in Betrieb genommen worden", so Reineking im Brustton der Überzeugung. Und unter anderem mit einem "künftigen Jakobs-Pilgerweg zwischen Loccum, Rinteln, Möllenbeck und Compostela" brauche es niemandem um die Schaumburger Zukunft bang zu sein. Fast wie gewollt trug das Musik-Duo Dr. Rolf Stich und Dr. Fred Eichler das Pilgerthema fort. Die beidenÄrzte vom Rintelner Kreiskrankenhaus nahmen die Gäste im Saal mit auf eine Reise von der Renaissance bis zur Moderne, begleitet von Querflöte und Gitarre. Und ansatzlos spann der Heimatfreund und Wilhelm-Busch-Kenner Herbert Röhrkasten den Faden weiter mit Einsichten ins Leben des heiligen Antonius von Padua. Sozusagen zwischen Hauptgericht und Nachtisch durfte das Publikum den Lebensweg des frommen Mannes vom stürmischen Jüngling bis zum gereiften und weisen Alten mitgehen. Natürlich nicht ohne die bissigen ironischen Seitenhiebe des Wiedensahler Dichters und Urvaters der heutigen Cartoonisten, Wilhelm Busch. Der Heimatbund selber hat auf seinem fast 100-jährigen Weg ebenfalls viel erlebt und bewegt und will noch viel bewegen, betonte dessen Vorsitzender Manfred König aus Rinteln. Das Museum in der Eulenburg ist dabei mit Abstand das Paradepferd mit seinen erfolgreichen Sonderausstellungen wie "Staatsbesuch" und derzeit zum Spielzeugklassiker Lego. König: Das Museum spiele landesweit in der ersten Riege mit und habe in diesem Jahr einen Förderpreis der VGH-Sparkassenstiftung erhalten. Und auch ein mit 5000 Euro dotierter Preis für ehrenamtliche Trägerschaft stehe noch ins Haus. Dazu hält der positive Besucherzustrom weiter an. Neben demregen Arbeitskreis Denkmalschutz ist ein neuer Arbeitskreis für Archäologie angetreten, die Geschichte um Rinteln zu erhellen, und eine Jugendgruppe für Stadterkundung hat sich gebildet. Höhepunkt für die 600 Heimatbund-Mitglieder für 2008 werde die Feier zum 100-jährigen Bestehen am 14. Juni im Ratskellersaal sein, blickte König voraus.

Überzeugen: Ulrich Reineking...
  • Überzeugen: Ulrich Reineking...
...und Herbert Röhrkasten.
  • ...und Herbert Röhrkasten.
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