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Westernhagen rockt vor 12 000 Fans in der TUI Arena / „Halleluja“ ist der noch gut

Der Pfefferminzprinz ist zurück und macht alle „Willenlos“

Ein wallender silbriger Vorhang öffnet sich, Gitarren kreischen durch die Arena und ein Irrwisch, der in Körpersprache an Mick Jagger erinnert, richtet kurz die lilafarbene Brille, bevor er das Mikrofon greift und shoutet: „Jesus schenk mir dein Leben“.

Der Pfefferminzprinz ließ eine fast 30-jährige Musikgeschichte R

Kein Zweifel, er muss es sein: Marius Müller-Westernhagen. Er kokettiert mit der am Bühnenrand lauernden Fotografenmeute, wackelt mit dem Hintern, streckt die Zunge raus und hat sichtlich Spaß mit sich, seinen Musikern und den rund 12 000 Besuchern in der TUI-Arena.

Einzig eine stimmig programmierte LED-Rückwand an der Bühne und ein paar Lampen auf der Bühne reichen aus, um jedem Song das passende optische Outfit zu verpassen. Kein Pappmaché, keine Pyros, kein Laserlicht.

Die Band, bestehend aus Amerikanern, Engländern und einem Rheinländer ist bestens aufgelegt, nur leider hat Marius die Instrumente nicht optimal ausgewählt. Waren teilweise drei Gitarren zu hören (wer spielte da eigentlich was und warum?), fehlten insbesondere bei den Halleluja-Songs „Nur ein Traum“, „Fertig“ und „Sexy“ definitiv die Bläser. Ein Saxofon ist halt kein Bläser(er)satz.

Man musste dreimal hinsehen, aber es war in der Tat nicht Helmut Zerlett am Keyboard und der Hammond, obwohl Schlägermütze und Gestik ganz schwer an ihn erinnerten. Aus dem Affentheater-Album gab’s „Es geht mir gut“, „Willenlos“ und „Schweigen ist feige“.

Marius ließ das Publikum wissen, wie der Song „Ganz und gar“ 1987 am Küchentisch entstand und sang ihn so, als wolle er seine Frau Romney erneut für sich gewinnen.

Ungewöhnlich und eigentlich überflüssig, dass sich Marius für den dankbaren Applaus bei den aktuellen Songs bedankt hat, denn sie sind gut. Sie kommen Marius-reloaded rüber und werfen den Mantel des Schweigens über die eher schwachen Vorgänger „In den Wahnsinn“ und „Nahaufnahme“.

Westernhagen präsentierte eine sehr gelungene Mischung aus „Best of Marius“ und „Williamsburg“ und es muss schon schwierig sein, abzuwägen, auf welche Songs man dann auch mal verzichten muss.

Klar, ohne „Freiheit“ geht es nicht. Aber es muss für Marius schon eine gewisse Härte darstellen, Perlen wie „Ladykiller“, „Keine Zeit“ oder „Weil ich dich liebe“ in der Schatztruhe zu lassen.

Nachdem Westernhagen sich mit „Sexy“ kurz von der Bühne verabschiedet hatte, griff er dann bei den Zugaben noch einmal in die Evergreenkiste. Und so erlebte Hannover noch einmal eine Zeitreise in die Epoche, als der heute 61-Jährige „Mit 18“ damals durch Düsseldorf rannte.

Und am Ende eines mehr als gelungenen Konzertes gönnte er sich mit allen Fans noch einmal einen guten Tropfen „Johnny Walker“.

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