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„Der Kombi“ zum Schreiben

Krankenhagen (who). Nach einem vermutlich langen Arbeitsleben ist „Der Kombi“ mitten zwischen Antiquitäten und Trödel zur Ruhe gekommen. Beim Stöbern nach Fundstücken kam er ans Licht, nachdem sein Entdecker, den alten Griffelkasten, in dem er verborgen war, schon abqualifiziert hatte: „Einen Griffelkasten, hatten wir doch vor Jahren schon...“

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Doch so schnell darf man bei der Fundstück-Jagd nicht aufgeben. Also, erst mal aufmachen den Kasten, der in seiner Ausführung mit zwei Etagen von Fächern vielleicht doch noch vergessenen Inhalt bergen könnte. Und richtig, es ist noch was drin und sogar ein taugliches Fundstück. „Der Kombi“, so der eingravierte Markenname auf der Aluminiumhülle, erweist sich beim Auseinanderschrauben als Vorläufer beziehungsweise ältere Variante moderner Druckbleistifte mit auswechselbarer Mine. In seinem Inneren steckt ein Röhrchen, in das ein Grafitstäbchen eingeschoben werden kann und anscheinend auch eine schlanke Kugelschreibermine, die durch Festschrauben der Spitze in einer Klemmvorrichtung fixiert werden kann. Die Möglichkeit zum Austauschen und zu wechselndem Einsatz der Minen dürfte den Namen des Schreibwerkzeugs hinreichend erklären.

Der Gedanke, einen Bleistift zu haben, der nicht durch wiederholtes Anspitzen immer kürzer wird und schließlich zum schreibuntauglichen Stummel degeneriert, ist alt. Schon vor über 50 Jahren erstellten vor allem Architekten, Bauzeichner und technische Zeichner mit Druckbleistiften ihre Entwürfe, die am Ende mit schwarzer Zeichentusche fixiert wurden.

Vielleicht, weil hauptsächlich die älteren Brüder oder Erwachsene mit solchen damals noch teuren Schreib- und Zeichenwerkzeugen arbeiteten, weckten sie Begehrlichkeiten bei jüngeren Geschwistern, ließ sich doch damit ein Hauch von Besonderheit zeigen, fast so wie heute mit dem neusten Handy-Modell. Das würde erklären, warum „Der Kombi“ im Griffelkasten und im Schulranzen gelandet ist – möglicherweise bei einem Schüler in der DDR. Für den Stift in seiner ungewöhnlichen Ausführung und seines Namens waren jedenfalls bei bundesrepublikanischen Herstellern keine Entsprechungen zu finden...

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