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Der Hund als Geldquelle

BAD MÜNDER. Kürzlich in Aerzen: Die Politik gerät unter Beschuss, weil sie sich an ein sensibles Thema herangewagt hat: die Erhöhung der Hundesteuer. 60 Euro werden künftig für den ersten Hund fällig. Bad Münder beschäftigte sich zuletzt 2015 mit der Hundesteuersatzung – und bereitet sich auf die nächste Runde vor.

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Autor:

Birte Hansen Und Jens Rathmann

Ein CDU-Antrag sieht die Anpassung der Steuerhöhe für Rettungshunde vor. Das Kernproblem der münderschen Politiker unterscheidet sich aber nicht von dem in anderen Orten im Landkreis. Egal, in welcher Kommune die Hundesteuer angehoben werden soll: Mit Applaus seitens der Betroffenen muss keiner rechnen. Warum muss für Hunde in die Tasche gegriffen werden, während Katzen oder Pferde nicht extra besteuert werden? Die flapsigste aller Antworten könnte wohl lauten: Weil’s geht. Und weil es die Kassen der Städte und Gemeinden, teils kräftig, auffüllt.

Hameln führt die Liste der Haushaltsentlastung via Hundesteuer an: Über 320 000 Euro flossen im vergangenen Jahr in die Stadtkasse – knapp 3000 Hunde machen’s möglich. Wer in Hameln wohnt, zahlt für den ersten Hund 108 Euro. Angenommen, der lebt in Klein Berkel im Dubben, dann werden für den Vierbeiner 58 Euro mehr fällig als für seinen Hundekumpel, der knapp 2000 Meter Luftlinie entfernt im Koppelweg in Groß Berkel schnüffelt. 50 Euro hat der erste Hund bisher in Aerzen gekostet – so viel wie in Emmerthal. Bad Münder verlangt genau doppelt so viel: 100 Euro.

Aerzen nahm bisher auch in der Summe am wenigsten ein: 48 000 Euro. Nach der Erhöhung rechnet der Flecken aber mit zusätzlichen Einnahmen in Höhe von 10 000 Euro jährlich. Geht diese Rechnung auf, würde dann Emmerthal das Schlusslicht hinsichtlich der Gesamteinnahmen bilden. Dort fließen „nur“ 49 600 Euro in die Stadtkasse.

Die meisten Hunde pro Kopf leben übrigens in Coppenbrügge: 0,1 Hund pro Einwohner. In Bad Pyrmont und Bad Münder sind es nur 0,06 und in Hameln sogar nur 0,05 Hunde pro Kopf. Und in Emmerthal leben die meisten „Mehrhund-Familien“: 27 Hunde sind dort als „weitere Hunde gemeldet“, in Aerzen sind es 23, in Bad Münder dagegen nur sieben. Wohlgemerkt: Gemeldet, denn nur die bei der Stadt auch registrierten Tiere fallen in die Statistik, und die Zahl der „schwarzen“ Hunde, die nicht zwangsläufig ein schwarzes Fell haben müssen, ist unbekannt. Die Dunkelziffer dürfte, so eine Vermutung in der münderschen Kämmerei, gerade bei den Zweit- oder Dritthunden nicht unerheblich sein, die Kontrolle jedoch schwierig. In jeder Kommune wird die Steuer für jeden weiteren Hund nach dem ersten erheblich höher. So kostet in Hameln jeder Hund, der über den zweiten hinausgeht, 192 Euro, Bad Pyrmont verlangt je 186 Euro für jeden Hund, der zusätzlich zum zweiten Hund hinzukommt. Mit 150 Euro für den zweiten Hund und sogar 300 für den dritten und alle weiteren Hunde liegt Bad Münder in der Spitzengruppe. 500 Euro werden sogar fällig, wenn der Vierbeiner in die Kategorie der „gefährlichen Hunde“ fällt.

In Deutschland erstmals erhoben wurde die Hundesteuer übrigens im Jahr 1807 in Offenbach. Eine Art Hundesteuer musste auf deutschem Boden bereits seit Hunderten von Jahren gezahlt werden. In ost- und mitteldeutschen Quellen taucht um 1500 erstmals ein „Hundekorn“ auf, das zunächst in Form von Naturalien (Roggen, Gerste, Hafer) gezahlt wurde.

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