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Kunst- und Kulturkreis präsentiert Rainer Hauers Rezitationsprogramm „Schiller, heiter!“

Der etwas andere Dichter Friedrich Schiller

Bad Münder (hzs). Das Schöne, Wahre, Gute, das Dramatische im Werk des großen Dichterfürsten Friedrich Schiller ergänzte und bereicherte der aus Graz stammende Burgschauspieler Rainer Hauer in seinem Rezitationsprogramm „Schiller, heiter!“ um die Dimension des Humors.

Rainer Hauer zeigt im Martin-Schmidt-Konzertsaal die amüsante Se

Hauer, auf Einladung des münderschen Kunst- und Kulturprogramms in die Kurstadt gekommen, zeigte, dass Heiteres im Werk Schillers eine feste, wenngleich kaum beachtete Dimension ist, die einen erhellenden Blick auf den „kuriosen exzentrischen Enthusiasten“ Friedrich Schiller freigibt.

Der stellte mitunter nicht nur die Welt, sondern auch sich selbst in kleinen Selbstkarikaturen auf den Kopf und kritzelte „Schiller, wie ihn verschiedene vernünftige Leute gesehen haben“ darunter.

Trinksprüche auf den Tod

Das Dichter-Genie, von dem Wilhelm von Humboldt einst sagte, der Gedanke sei „das Element, das ihn am Leben halte“, offenbarte nicht nur in den Xenien – lehrreich-scherzhaften Zweizeilern –, Parabeln, Kurzgedichten und Rätseln eine seinem dramatischen Schaffen gänzlich entgegengesetzte Seite. Hauer führte dem erstaunten Publikum einen zu beachtlicher Ironie und Selbstironie fähigen, stellenweise fast surrealistisch bis bizarr daherkommenden Dichter vor. Sogar vor Trinksprüchen auf den Tod machte der nicht halt.

„Der ist immer frei heraus“ stellte auch Schiller-Freund Goethe fest, und Hugo von Hofmannsthal brachte die Schillersche Rastlosigkeit und Dynamik auf die treffende Formel: „Seine Gedanken jagt er von Zeile zu Zeile“. Selbst in der Ballade aller Balladen, Schillers „Glocke“, entdeckte Hauer neben aller Ernsthaftigkeit das Grundelement der Heiterkeit.

Und selbst auf dem Totenbett, so berichtete Hauer, seien Schillers letzte bedeutende Worte gewesen, alles werde nun „immer heiterer“.

Heiterkeit bei Schiller – das ist kein aufgesetzter, oberflächlicher Humor im Stil der modernen Spaß- und Amüsiergesellschaft, sondern die existenzielle Grunddisposition eines Dichter-Genies, die diesem half, in die Bereiche jener Mächte zu transzendieren, die die Schicksale der Charaktere seiner großen Dramen lenken.

Amüsant, lehrreich, unterhaltsam – so lautete das einhellige Urteil der Besucher im Foyer des Martin-Schmidt-Konzertsaales nach der gelungenen Vorstellung.

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