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Ein 1967er wird fit gemacht

Der Dewezet-Käfer kommt ins Rollen

Ein Oldtimer wird Redaktionsauto: Der DEWEZET-Käfer, Baujahr 1967, fährt noch nicht. Aber aus dem Dornröschenschlaf ist er schon geweckt worden. Jetzt geht’s daran, ihn auf Kurs zu bringen – immerhin findet im Juni dieses Jahres das weltgrößte Uraltkäfer-Treffen in Hessisch Oldendorf statt.

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Autor:

Jens F. Meyer

WESERBERGLAND. Wenn ich es nicht besser wüsste, müsste ich behaupten, es sei Liebe auf den ersten Blick gewesen. Auf den zweiten bestimmt. Draußen regnete es junge Hunde, ich war gerade aus einer sitzheizungsverseuchten, weißen, langweiligen Familienlimousine gestiegen, in der ich nach Halvestorf gebracht, ach je, geradezu chauffiert worden war. Ich stand auf dem Hof, schniefend und bedürftig nach einem warmen Tee, aber der kalte Regen tropfte mir in den Kragen. Ich wartete händeringend darauf, in diese unauffällige Scheune gehen zu dürfen. Dass sie einen Schatz verbarg, für so viele Jahre, ein wahres Juwel, das hätte ich aufgrund der mir zuteilgewordenen Vorgeschichte ahnen können, aber Vorsicht ist bekanntlich die Mutter der Porzellankiste und Rost der größte Feind von alten Kisten respektive Automobilen. Bloß nicht zu hohe Erwartungen haben, das hier kann auch übel schiefgehen. Aus Oldtimerträumen sind schon oft -albträume geworden.

Staub, nichts als klamme Kälte umfing mich. Jeder Atemzug ein Nebel der Erwartung. Hauswinkelspinnen huschten vor den Einfachverglasungen umher, und ihre vom Zug der geöffneten Türe erfassten Weben wirkten wie Gespenster. „Da hinten steht er.“ Diana Jahn hatte den Volkswagen aus alter Zeit aufgetan, hatte seinen Besitzer gefragt, ob er verkaufen wolle – und er wollte. Die Dewezet-Mitarbeiterin ist froh, gewissermaßen als Gesandte des Glückes den Stein ins Rollen gebracht zu haben. Frank Dangers „Aha…“ klang, da wir alle die Stille verspürten, die jahrelang den Käfer umhüllte (aber leider nicht gänzlich zu konservieren imstande war), nicht überzeugend, weil er als Automobilexperte und Geschäftsführer der Reifen Danger Fahrzeugtechnik und Bereifung GmbH zweifelsohne weiß, wie es um ein Auto steht, wenn es eben steht, jahrelang steht. Und mir, der bereits in jungen Jahren mit einem Mexiko-Käfer mehr als nur die Region Hameln-Pyrmont unsicher gemacht hatte, schmerzte die Seele. Dieser Anblick, dieses leidende Antlitz eines Volkswagens aus gutem, altem Blech, kleine Dellen, Rostpartikel, und unter dem Motor eine längst trocken gewordene Lache Öl. Ohne neue Lackierung wird es nicht gehen. Oliver Scholz vom Kaspar Karosserie- und Lackierzentrum in Hameln weiß sehr wohl, dass da viel Arbeit auf ihn und sein Team zukommen wird. Wenn möglich, im original volkswageneierschalkolorit.

„Innen müsste man ihn entschimmeln.“ Frank Danger hatte schon die Beifahrertür geöffnet und blickte sorgenvoll, während ich immer noch nach Fassung rang. Nun ja, es ist ja nicht nur ein Auto, es ist ein VW Käfer! Und es wird der Redaktions-Käfer der Dewezet, wofür es mindestens einen guten Grund gibt: das große 7. Internationale VW-Veteranentreffen in Hessisch Oldendorf vom 23. bis 25. Juni dieses Jahres. Obgleich dieses 1967er Exemplar zehn Jahre zu jung ist, um als offizielles Teilnahmefahrzeug vorfahren zu dürfen, werden wir es dennoch tun. Irgendwie müssen die Redakteure und Fotografen ja sowieso hinkommen, Fotos schießen, Filme drehen, mit Menschen sprechen und schreiben, schreiben, schreiben. Dann doch wenigstens stilecht. Zwar ohne Brezelfenster oder „Ovali“ auf dem schönen Rücken, aber vielleicht mit Blume am Lenkrad. Hut auf. Hineinbrausen ins Zentrum der Baxmannstadt. Selbst ein Mexiko-Käfer wäre uns dafür recht gewesen.

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Und immerhin: Ein 1967er Modell findet man auch nicht alle Tage, schon gar nicht im Landkreis Hameln-Pyrmont. Glück gehört dazu. „Kein Wort nach draußen, solange das hier nicht unter Dach und Fach ist“, mahnte Frank Danger beim ersten stillen Treffen in der staubigen Scheune in Halvestorf. Alle, die sie einen Kreis bildeten um das altersschwache Gefährt herum, eingerahmt von Futtertrog, Mistgabeln und alten Reifen, hielten sich daran, solange der Deal kein Deal, sondern nur Wunschvorstellung war. Aber jetzt ist alles anders: Das Auto aller Autos, das Original, das millionenfach gebaut wurde und die Welt veränderte, gehört jetzt zum Dewezet-Fuhrpark. Beziehungsweise bald… Fährt ja noch nicht. Es ist ’ne Menge zu tun. Aber für ein Autochen, dass dazu in diesem Jahr seinen 50. Geburtstag feiert, machen wir das gerne.

Und für alle Küken unter 30 unserer schreibenden Gemeinschaft: Das Ding hat weder Bremskraftverstärker und Airbags noch ESP, ABS oder Berganfahrhilfe. Es hat ein Lenkrad ohne Servounterstützung, vier Gänge und einen Motor mit 34 PS. Viel mehr ist nicht drin. Augenscheinlich werden wir um ein ADAC-Fahrtraining nicht herumkommen.

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