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"Das ist wie in der Heimat": Die Nacht, in der Italien ins Endspiel einzieht

Der Asphalt wird zum Hexenkessel - und die Bergstadt zu Klein-Napoli

Obernkirchen. Bis zum Schluss haben sie gezittert. Gibt es ein Elfmeterschießen, schafft es die italienische Mannschaft endlich einmal wieder in ein WM-Finale? Als del Piero alles klar macht, gibt es kein Halten mehr. Die kleine italienische Kolonie greift zu den Fahnen, alles rennt auf die Straße. Das gesetzte Obernkirchen wird innerhalb von Minuten zu Klein-Neapel.

"Und nach dem gewonnenen Finale wird das noch größer und lauter"

Autor:

Michael Grundmeier

Vonüberall her kommen die italienischen Fans. Domenico und Michelina Galeazza, Betreiber der Pizzeria "Napoli da Michelina" in Bückeburg, haben sich kurz vor Mitternacht in ihr Auto gesetzt und sind nach Obernkirchen gefahren. Da Heye-Glas viele Italiener der ersten Generation nach Obernkirchen geholt hat, ist dort immer noch eine italienische Hochburg. Vor dem Bistro "Treffpunkt" wird der Asphalt zum Hexenkessel.Überall tanzen, singen und springen Junge und Alte, schwenken ihre Fahnen und prosten einander zu. "Italia, Italia" schalt es durch die engen Straßen. "Treffpunkt"-Betreiber Aniello Aversa hat das Ganze organisiert. "Das ist hier schon Tradition," erklärt jemand einem staunenden deutschen Fan. Auch für einen DJ hat Aniello gesorgt: sein Sohn Massimiliano soll hinter dem Mischpult stehen. Doch der hat erst einmal anderes im Sinn. Mit seinem knallroten Espresso-Mobil, einem Piaggio, reiht er sich in die Schlange der ankommenden Autos ein. Die Feiernden umtanzen ihn und die anderen Neuankömmlinge und verhüllen das dreirädrige Gefährt mit grün-weiß-roten Fahnen. Aus dem knatternden Piaggio heraus ruft er den Umstehenden zu: "Ich werde mit diesem Wagen nach Berlin fahren." Dann begibt er sich wieder hinter seinen provisorisch auf dem Bürgersteig aufgebauten Plattenspieler. Harte Technorythmen hämmern durch die Nacht, die Italiener schwenken ihre Fahnen, liegen sich in den Armen und schwören der "Squadra Azzurra" ewige Treue. Weit nach Mitternacht schließlich wird eine kratzige Platte aufgelegt. Wenige Töne genügen: sofort drängt sich alles auf die Straße, um mitzusingen. Auch einige deutsche Fans feiern jetzt gemeinsam mit den Italienern und gröhlen die italienische Hymne "Fratellia d Italia" mit. "Wenn wir feiern, dann richtig. Bei uns findet so etwas immer auf der Straße statt," erklärt Michelina Galeazza die Partystimmung stolz. Antonio Li Poma aus Bückeburg ist einfach nur glücklich: "Das ist wie in der Heimat." Heute Nacht jedenfalls ist Obernkirchen fest in italienischer Hand. Und für das Finale versprechen sie: "Wenn Italien gewinnt, dann wird das noch viel größer und lauter. Und es gibt für alleSpaghetti."

Gehört nach einem großen Sieg einfach dazu: ein Autokorso.
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TSV-Chef Reinhold Hartmann (rechts) bei der Preisvergabe.
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