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Verhandlungen über Pachtvertrag zwischen Kirchengemeinde und Stadt scheitern / Frist gesetzt

Dem Laurentiusfriedhof droht die Sperrung

Bad Münder (jhr). Jahrelang haben sie verhandelt – jetzt sieht sich der Kirchenvorstand der Petri-Pauli-Gemeinde zu einem unpopulären Schritt gezwungen: Das Gremium hat der Stadt eine Frist gesetzt, ihre Haltung zum Laurentiusfriedhof zu überdenken und die Verantwortung für das Grundstück erneut zu übernehmen. Findet sich keine Lösung, droht die Absperrung des parkähnlichen Geländes an der Langen Straße.

Schöne alte Bäume, Grabmale als stumme Zeugen der Geschichte: Der Laurentiusfriedhof ist ein idyllischer Ort inmitten der Stadt

Das Areal spielt in der Geschichte Bad Münders keine unerhebliche Rolle: Einst stand hier die Kirche der Vorstadt Salz, bis zum Ersten Weltkrieg wurde ein Teil als Friedhof genutzt. Noch heute erinnern Grabmale an die ursprüngliche Nutzung, auch wenn unter den großen alten Bäumen heute häufig Kinderlachen zu hören ist: Der über den Friedhof verlaufende Weg führt zum Haupteingang der Kindertagesstätte Laurentiusweg, deren Gelände sich direkt an das Kirchengrundstück anschließt. Auch als Fußweg zum Rohmelbad wird er genutzt. Etwa zur Zeit des Rohmelbad-Baus in den 50er Jahren verständigten sich Stadt und Kirchengemeinde auch auf einen Pachtvertrag, der die Nutzung des Geländes und damit auch die Pflege und Verkehrssicherungspflicht regelte. Dass dieser Aspekt durchaus Bedeutung hat, zeigte sich im Herbst 2005, als ein elfjähriger Junge beim Spielen von einem umstürzenden Grabstein schwer verletzt wurde. Damals machte ein Gericht den städtischen Bauamtsleiter für das Unglück mitverantwortlich.

Seit dieser Zeit verhandeln Gemeinde und Stadt auch über eine neue vertragliche Regelung. „Die Stadt hat uns jetzt definitiv erklärt, dass sie nicht mehr bereit ist, die Kosten zu tragen und die Pflege zu übernehmen“, sagt Beate Wöllenstein vom Kirchenvorstand. Allerdings habe die Stadt angeboten, für ein Wegerecht jährlich 2000 Euro zu zahlen. Die Kosten für Pflege und Erhalt des Geländes in einem den Sicherungspflichten genügenden Zustand betragen aber nach bisherigen Erfahrungen jährlich zwischen 12000 und 14000 Euro, erklärt Margret Luther, Vorsitzende des Kirchenvorstands. „Das können wir nicht zahlen“, sagt sie und macht deutlich: „Es ist auch nicht Aufgabe der Kirche, einen öffentlichen Park vorzuhalten.“

Kirchenvorstandsmitglied Heinz Hundertmark geht noch weiter: „Die Stadt will das Gelände weiterhin nutzen, aber wir sollen 80 Prozent der Kosten tragen. Das kann so nicht sein.“ Für Luther und ihren Kirchenvorstand gibt es derzeit nur eine Alternative – und die haben die Mitglieder der Verwaltung auch mitgeteilt: Das Gelände werde für die Öffentlichkeit gesperrt werden müssen. Die Stadt habe für die Wiederherstellung des ursprünglichen Zustands zu sorgen, also beispielsweise den Weg zurückzubauen. „Wir wissen nicht mehr weiter. Wir wollen den Menschen den Weg und das Gelände nicht wegnehmen, wir können aber auch nicht verantworten, dass auf dem Gelände ein Unglück geschieht – es kann jahrelang nichts passieren, aber es kann auch schon morgen ein Baum umstürzen oder ein Grabstein umfallen“, sagt Luther. Der Kirchenvorstand wartet nun, wie die Stadt auf sein Schreiben reagieren wird. Die Frist läuft am 15. April ab.

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