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Bischof Johannesdotter sieht EKD-Reformpapier skeptisch

"Das ist ein typisches Papier von Vertretern großer Kirchen"

Bückeburg (epd). Der schaumburg-lippische Landesbischof Jürgen Johannesdotter sieht das Perspektiven-Papier der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) zu langfristigen Kirchenreformen mit Skepsis. "Das ist ein typisches Papier von Vertretern großer Kirchen für große Kirchen", sagte er in Bückeburg. Die Bedeutung der Konfession werde unter Wert gehandelt: "Vom Bekenntnis ist nicht die Rede." Die lutherische, reformierte oder unierte Prägung dürfe aber nicht übergangen werden. Schaumburg-Lippe ist mit rund 63 000 Mitgliedern die zweitkleinste Kirche in der EKD.

In dem Reformpapier, das am Donnerstag in Hannover vorgelegt wurde, schlägt die EKD unter anderem vor, die Zahl der Landeskirchen in Deutschland bis zum Jahr 2030 von zurzeit 23 auf acht bis zehn zu verringern. Angesichts des demografischen Wandels und schwindender Finanzkraft müsse die Kirche die Qualität ihrer Arbeit stärken, Strukturen durchforsten und ihre Kernaufgaben stärker betonen. Der Vorsitzende der EKD, Bischof Wolfgang Huber, sprach von einem "hochexplosiven Gemisch aus Versorgungskosten, Teuerungsrate und schrumpfenden Einnahmen". Ohne radikale Reformen drohe der Kirche die Handlungsunfähigkeit. Johannesdotter lehnte eine Fusion seiner Landeskirche mit anderen ab: "Ich empfinde uns nicht alsÜbernahmekandidat für größere Einheiten." Der Bischof verwies darauf, dass die Evangelisch-Lutherische Landeskirche Schaumburg-Lippe finanziell solide dastehe: "Wir sind als kleine Kirche im Solidarpakt der EKD eine zahlende und keine empfangende Kirche." Die Kirche im nördlichen Landkreis Schaumburg sei mit einem Mitgliederanteil von 60 bis 70 Prozent fest in der Bevölkerung verwurzelt. Die Austrittsquote sei vergleichsweise gering. Das EKD-Reformpapier gehe auf solche Entwicklungen vor Ort nicht ein, kritisierte Johannesdotter: "Es geht nur um wirtschaftliche Einheiten." Seine Landeskirche setze auf ein Konzept mit starken Ortsgemeinden und einer starken Präsenz der Gemeindepfarrer. Sie gebe rund ein Drittel ihres Geldes für diesen "Schlüsselberuf" der Kirche aus. Die Landeskirche im nördlichen Landkreis Schaumburg, deren Grenzen auf das frühere Fürstentum Schaumburg-Lippe zurückgeen, hat 22 Gemeinden mit 25 Kirchengebäuden

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