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Umgangsrecht nach Trennungen / Erziehung bleibt Sache der Eltern

Darf Oma Kontakt zum Enkel haben?

Landkreis (blc). Zank und Streit in der Familie führen häufig zur Trennung. Aber nicht nur die Kinder sind dabei die Leidtragenden, auch Großeltern müssen in vielen Fällen eine Trennung von ihren Enkelkindern verkraften, wenn sie keinen Kontakt mehr haben dürfen. Häufig besuchen Großeltern eine Therapie, weil sie mit einer solchen Trennung nicht allein fertig werden. Man nimmt den Großeltern eine Lebensperspektive, die sie auch gesund erhält Der Gesetzgeber sieht deshalb seit 1998 ein Umgangsrecht auch für Großeltern vor. Doch was bedeutet das eigentlich?

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Zum Wohle des Kindes: Großeltern wird grundsätzlich dann ein Umgangsrecht mit Enkelkindern zugestanden, wenn es dem Wohl des Kindes dient. Die Familienkonstellation spielt dabei keine Rolle. Egal, ob die Eltern des Kindes verheiratet, geschieden, mit oder ohne Sorgerecht sind: Großeltern oder auch Geschwister haben grundsätzlich ein Umgangsrecht, wenn es dem Wohl des Kindes dient. Die Kindesperspektive sollte dabei eine viel größere Rolle spielen als das, was die Erwachsenen wollen.

Was ist das „Wohl des Kindes“? Kommt es zu einem Rechtsstreit, müssen Großeltern die beidseitige emotionale Bindung zu dem Kind nachweisen. Das kann der Fall sein, wenn der Umgang noch nicht lange abgebrochen wurde, das Kind bisher von den Großeltern betreut wurde, beide Parteien bisher in der Nähe gewohnt haben und die räumliche Nähe durch Umzug nicht mehr gegeben ist. Empfohlen wird bei einem solchen Streit, dass Großeltern möglichst zeitnah versuchen, ein Umgangsrecht zu erwirken.

Kinder nicht in den Konflikt einbeziehen: Unstimmigkeiten zwischen Eltern und Großeltern reichen nicht zwangsläufig aus, das Umgangsrecht zu verweigern. Von beiden Parteien wird vom Gesetzgeber erwartet, dass familiäre Konflikte nicht vor dem Kind ausgetragen bzw. die Kinder nicht mit hineingezogen werden.

Umgangsrecht ist nicht gleich Erziehungsrecht: Großeltern dürfen sich nicht in die Erziehung einmischen. Sie müssen den Erziehungsvorrang der Sorgeberechtigten akzeptieren. Selbst wenn einem Elternteil das Sorgerecht abgesprochen wurde, bleibt der Erziehungsvorrang bestehen. Wird Großeltern das Umgangsrecht zugesprochen, beinhaltet das nicht gleichzeitig ein Erziehungsrecht. Dieses bleibt weiter den Eltern oder Sorgeberechtigten vorbehalten.

Gerichte entscheiden von Fall zu Fall: Kommt es zu einer Verhandlung, entscheidet das Gericht von Fall zu Fall. Ein Umgangsrecht kann durchaus gewährt werden, wenn Konflikte zwischen Eltern und Großeltern bestehen, denn man setzt voraus, dass diese nicht vor dem Kind ausgetragen werden und damit keinen Einfluss auf das Kindeswohl haben. Ist das Verhältnis zwischen Eltern und Großeltern jedoch massiv zerrüttet oder wird seitens der Großeltern massiv in die Erziehung eingegriffen, lehnt ein Gericht normalerweise das Umgangsrecht zum Wohl des Kindes ab.

Außergerichtliche Lösung: Da es sich bei Auseinandersetzungen um Enkel um Kinder oder Schwiegerkinder handelt, sollte der rechtliche Weg möglichst umgangen werden. Sinnvoll kann es sein, einen Mediator (eine Schlichtungsstelle) gemeinsam aufzusuchen. Erst wenn eine Einigung auf dieser Ebene nicht möglich ist, sollten rechtliche Schritte in Erwägung gezogen werden, denn daraus entstehen fast immer dauerhafte soziale Störungen unter den Angehörigen. Die Rechtsberatung für Großeltern sollte durch einen Fachanwalt für Familienrecht erfolgen.

Großeltern sind häufig wichtige Bezugspersonen für ihre Enkelkinder. Bei einer Scheidung kommt es oft auch zu einer Trennung von den Großeltern. Enkel sind oft Lebensperspektive für die Senioren, umgekehrt geht für Kinder nichts über liebevolle Großeltern. Foto: Fotolia

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