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...fließen die Weser hinab / Untersuchungen ergeben: Werte schwanken / Lauge macht Fische krank

Chlorid-Messung: Drei Säcke Salz pro Sekunde

Weserbergland (ube). Die Salzfracht in der Weser schwankt. Das haben Chlorid-Messungen des Instituts für Boden und Umwelt der LUFA Nord-West in der 27. und 28. Kalenderwoche ergeben. Die Dewezet-Zeitungsgruppe, zu der auch unsere Zeitung gehört, hatte das Wasserlabor mit den Untersuchungen beauftragt.

Labor-Leiter Andreas Fischer bei der Arbeit am Weserufer: Der In

Die Wasserproben wurden am Pegel Wehrbergen entnommen - morgens um 7.30 Uhr und nachmittags um 16.30 Uhr. Das Wasser- und Schifffahrtsamt Hannoversch Münden stellte für den Untersuchungszeitraum Volumenstrom-Daten zur Verfügung. Soll heißen: Zum Zeitpunkt der Probenentnahme wurde auch die Wassermenge im Fluss errechnet. Mit Hilfe dieser Zahlen kann ermittelt werden, welche Menge Salz pro Sekunde von der Weser transportiert wurde. Zum Zeitpunkt der LUFA-Messungen waren es zwischen 125 000 und 155 000 Liter Weser-Wasser. Das ist relativ viel. Am Morgen des 2. Juli (Montag) passierten die Messstelle pro Sekunde 45,6 Kilogramm Chlorid. Zum Vergleich: Ein Sack Zement wiegt 25 Kilo. Eine Woche später, am Montag, 9. Juli, waren es zur selben Zeit 72,6 Kilogramm pro Sekunde (fast drei Sack Zement). Anders ausgedrückt: 351 Milligramm Salz befanden sich am 2. Juli um 7.30 Uhr in jedem Liter Weserwasser; am 9. Juli waren es 487 Milligramm - Schwankungen, die Fragen aufwerfen. Wurde von Kali + Salz mehr Chlorid in die Werra eingeleitet? Gibt es noch andere Verursacher? Oder wurde Dünger vom starken Regen in die Flüsse gespült? Experten aus der Landwirtschaft halten die letzte These für "sehr unwahrscheinlich, denn: Gedüngt wird vor allem im Frühjahr". Dass Fische in der Oberweser unter der Salzfracht leiden, haben Elektrobefischungen des Landesamtes für Verbraucherschutz und Lebensmittelüberwachung ergeben. 12,3 Prozent der Barben und Plötzen sind krank. Nach Angaben des Fischerei-Biologen Ulrich Matthes wiesen etwa ein Drittel aller kranken Fische abgestorbenes Gewebe auf. Matthes vermutet, dass Kali-Abwässer schuld sind am Leid der Tiere,denn Kalium, das gemeinsam mit Chlorid verklappt wird, ist ein Zellgift. Was wäre, wenn in Werra und Weser kein Salz eingeleitet würde? Die Bund-Länder-Arbeitsgemeinschaft "Wasser" hat für aus dem Untergrund gespültes Chlorid einen Orientierungswert von 200 Milligramm/Liter vorgeschlagen.

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