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Bundestagswahl: Hermann Gebauer stellt sein Programm vor

BAD MÜNDER. Er kann den enttäuschten Alt-68er nicht verbergen. Immer wieder kommt Hermann Gebauer auf die Forderungen der außerparlamentarischen Opposition der späten 1960er-Jahre zurück.

Politik und Lyrik: Hermann Gebauer bei der Präsentation seines Programms für die Bundestagswahl. FOTO: HUPPERT

Autor

Christoph Huppert Reporter

Was jedoch Brandt und Schmidt, später Fischer, Schröder und Merkel, verraten hätten – den Weg der Rebellion hin zu Freiheit, Liebe und Menschlichkeit – das will der 74-jährige parteilose Kandidat, der im Wahlkreis 46 auf der Liste der Piraten antritt, jetzt mit einer Bürgerbewegung nachholen.

Knapp 20 Interessierte hatten sich zu Gebauers Wahlkampfveranstaltung im „Kornhus“ eingefunden. In einer mehrstündigen Veranstaltung stellte der Münderaner sein äußerst umfangreiches Programm vor. Dabei konnten die Teilnehmer bei der Erstellung einer Rangfolge selbst aktiv werden. „Bürgerversicherung“, „Kürzung der Abgeordnetengehälter“, „bedingungsloses Grundeinkommen“, „Solidarkredite“, das fand sich am Ende auf der bereitgestellten Tafel.

„Ich schäme mich für Deutschland“, sagt Gebauer, der viele Jahrzehnte in Afrika und Südamerika Entwicklungsarbeit geleistet hat. Der Kandidat propagiert eine anti-kapitalistische Bürgergesellschaft. „Wir wollen Bürger- statt Parteienmacht als humanistische Alternative“, fordert er. Etliche seiner Programmpunkte finden sich gleichwohl auch bei anderen Parteien: die Beseitigung sozialer Ungerechtigkeit, die Lösung der Flüchtlingsfrage, Friedensicherung und Umweltschutz.

Gebauer greift immer wieder auf kritische Aspekte zum Thema Globalisierung zurück, trägt aber auch – den Tränen nahe – eigene literarische Texte über die bundesdeutsche Nachkriegszeit vor.

Erst als der Kandidat die mangelhaften Deutschkenntnisse münderscher Migranten beklagt, regt sich Widerstand bei den Zuhörern. Es beginnt eine rege, emotional geführte Diskussion. „Wir haben gar keinen Friedensvertrag. Ich brauche diesen Staat und seine Demokratie nicht“, erregt sich ein Zuhörer im Reichsbürger-Stil. Es sind die populistischen Tonlagen in Gebauers komplexem Programm, die hier Andockpunkte liefern. An diesem Abend fällt es den Zuhörern schwer, den Spagat zwischen globaler Politik und deren lokaler Konkretisierung nachzuvollziehen. Dennoch: „Wir lassen uns nicht entmündigen!“ versichert Gebauer. Er weiß, dass seine Chancen begrenzt sind. Doch für den Kandidaten soll es ohnehin erst nach der Wahl so richtig losgehen. „Dann will ich überall im Landkreis „Bürgerkomitees gründen. Die sollen dann den Politikern und vor allem der Wirtschaft kontra geben“, kündigt er an.

Details zum Programm finden sich unter www.hermann-gebauer.de

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