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Vor Gericht: Keine Bewährung für 34-jährigen Bückeburger

Brutalo verprügelt Ex-Freundin und Tochter (12) - ein Jahr Haft

Bückeburg (ly). In der Pause zwischen Plädoyers und Urteilsverkündung tauchen plötzlich zwei Wachtmeister im Gerichtssaal des Amtsgerichts auf. Mit Metalldetektoren durchsuchen sie den völlig verdutzten Angeklagten nach Waffen, ohne allerdings fündig zu werden.

"Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser", erklärt Richter Dr. Dirk von Behren. Der Mann auf der Anklagebank, ein Bückeburger (34) ausländischer Herkunft, gilt offenbar als unberechenbar und gefährlich. Dann das Urteil: Ein Jahr Haft wegen Körperverletzung, gefährlicher Körperverletzung und versuchter Nötigung. Zu spüren bekommen haben die Brutalität des 34-Jährigen zuletzt dessen frühere Freundin (33) und eine gemeinsame Tochter (12). Im Januar war der Mann in der Bückeburger Wohnung der Verflossenen, von der er zwischenzeitlich getrennt lebt, auf beide losgegangen. Das Mädchen bekam Schläge und Stichemit einem Regenschirm, die Frau überdies Ohrfeigen. Motiv des Täters: Er war anscheinend wütend, weil die Tochter einen Besuchstermin verschlafen hatte. Polizisten, von der Wohnungsinhaberin alarmiert, trafen nach der Tat auf eine Frau, die "nervös, aufgebracht und verängstigt" war, "absolut neben der Rolle", wie sich ein Beamter als Zeuge vor Gericht erinnerte. "Sie hatte eine Beule am Kopf und eine geschwollene Oberlippe." Nur neun Tage später stand der Schläger erneut auf der Matte, wurde diesmal aber nicht hereingelassen. So blieb es bei Drohungen durch die geschlossene Tür, dass er eine Waffe habe. "Ich habe gehört, dass er eine besitzen soll", so die ehemalige Lebensgefährtin. Gefunden wurde bei einer Durchsuchung am Tatortjedoch nichts. Bewährung war im Prozess vor dem Bückeburger Amtsgericht übrigens kein Thema. "Für hochgradige Bewährungsversager", so Richter von Behren, "gibt's bei mir kein Pardon." Vor anderthalb Jahren war der Angeklagte wegen einer ähnlichen Tat zu zwölf Monaten Freiheitsstrafe mit Bewährung verurteilt worden, deren Widerruf nun droht. Im August 2004 hatte er die Frau mit einem Fausthieb niedergeschlagen. Das Opfer musste in einer Kieferklinik operiert werden. Später wurde die Bückeburgerin noch einmal auf offener Straße attackiert und mit einem Messer bedroht. Bis heute nimmt sie ihren Ex in Schutz. "Wenn man mich anfasst, kriege ich sofort blaue Flecken", gab die 33-Jährige während der Verhandlung zu Protokoll. Auch den Schlüssel hat sie ihrem früheren Freund bisher nicht weggenommen, was bei Richter von Behren Kopfschütteln auslöste. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig, der Angeklagte bleibt zunächst auf freiem Fuß. Für den Fall eines weiteren Übergriffes kündigte von Behren an, Haftbefehl wegen Verdunklungsgefahr zu erlassen.

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