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Vor Gericht: 15 Monate Strafe mit Bewährung unter strengen Auflagen

Brutales Ehedrama: Mann greift zum Messer und tritt gegen Kopf der Frau

Bückeburg (ly). Vermutlich haben sie sich einmal geliebt, aber das ist längst vorbei. Heute lebt das Paar in Scheidung. So etwas kommt in den besten Familien vor. Was der Mann allerdings nach der Trennung getan hat, nennt Richter Armin Böhm den "grausamen Höhepunkt einer gescheiterten Beziehung". Zu einer Aussprache mit seiner Noch-Ehefrau, die nach Bückeburg umgezogen war, hatte der 29-Jährige ein Messer (Klingenlänge: 20 Zentimeter) mitgenommen. Was dann genau passiert ist, lässt sich wegen abweichender Zeugenaussagen nicht mehr genau rekonstruieren.

Fest steht, dass das ahnungslose Opfer, das keinen Besuch erwartet hatte, in dem Gerangel zwischen Flur und Wohnzimmer Schnittwunden an der Hand erlitten hat. Als sicher gilt außerdem, dass die Frau anschließend durch Tritte gegen den Kopf in eine lebensbedrohliche Situation geraten ist. "Er hat mich grün und blau geschlagen", erinnert sich die 25-Jährige, die vom Bückeburger Büro der Opferhilfe betreut wird. "Drei Tage konnte ich nur mit Strohhalm trinken." Sieben Monate nach dem Ehedrama hat das Amtsgericht den Mann jetzt wegen gefährlicher Körperverletzung und Bedrohung zu 15 Monaten Freiheitsstrafe verurteilt, ausgesetzt zur Bewährung. Verbunden ist die Entscheidung mit strengen Auflagen. So bekommt der einschlägig vorbestrafte Lipper einen Bewährungshelfer. Weiterhin muss er seiner Frau 1500 Euro Schmerzensgeld zahlen, 400 Stunden gemeinnützig arbeiten und eine freiwillig begonnene Therapie fortsetzen, die ihm helfen soll, seine Aggressionen in den Griff zu bekommen. Das Opfer hätte offenbar tot sein können, wenn die Situation noch weiter eskaliert wäre. "Ein Messer nehmen Leute mit, die andere Leute umbringen wollen", fuhr Staatsanwalt Reinhard Meffert den Angeklagten an. Dies bestritt der 29-Jährige heftig. "Mit dem Messer wollte ich Eindruck schinden und erreichen,dass sie mir zuhört", erklärte er. "Es tut mir Leid, dass ich sie verletzt habe." Nach der Tat will der Mann sich zunächst hingekniet und von Liebe gesprochen haben. "Dann habe ich es mit der Angst zu tun gekriegt und bin weggelaufen." Zuvor muss der Lipper "ganz schön zugelangt haben", wie Richter Böhm nach einem Blick auf Fotos von den Verletzungen feststellte. Das Motiv: Streit um die Kinder und wohl auch Eifersucht wegen angeblicher "Männergeschichten". Vor Gericht beteuerte der Angeklagte, dass seine Frau ins Messer gegriffen habe. Im Widerspruch dazu steht die Aussage der 25-Jährigen. "Mit einem Arm hat er mich festgehalten, mit der anderen Hand hielt er mir die Klinge an die Kehle", erklärte die Bückeburgerin, deren Kinder ebenfalls "richtig viel Angst" vor ihrem Vater hätten. Mit den Worten "Jetzt habe ich dich" soll der Mann an jenem Abend einen Fuß in die Tür gestellt haben. Die Frau: "Diesen Satz werde ich niemals vergessen."

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