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Vor Gericht: Angeklagter nimmt Entscheidung ohneäußere Regung zur Kenntnis / "Mehr Toleranz"

"Brutal und unentschuldbar": Hohe Strafe für B.

Hohenrode/Bückeburg (ly). Gibt es etwas Schlimmeres, als die Mutter seiner Kinder zu töten? "Ja", sagt Richterin Dr. Birgit Brüninghaus. "Wenn man die Kinder dabei zusehen lässt." Karl Heinz B. (54) aus Hohenrode, der genau dies getan hat, ist gestern wegen Totschlags zu 14 Jahren Haft verurteilt worden. Den Hinterbliebenen des Opfers, darunter fünf Kinder, sprach die Vorsitzende des Bückeburger Schwurgerichts "tief empfundenes Mitgefühl" aus. Der Angeklagte nahm die Entscheidung ohne äußere Regung zur Kenntnis.

Karl Heinz B. muss nach den tödlichen Axthieben gegen seine Frau

Am Abend des 17. Februar hatte Karl Heinz B. seine Frau Nina (45) mit 22 Axthieben auf den Kopf im Streit getötet. "Nach zehn bis zwölf Sekunden erlitt sie keine Schmerzen mehr", so Dr. Brüninghaus, die auch einen Rechtsmediziner vernommen hatte. Der Angeklagte habe "weitere Leiden seiner röchelnden Frau rasch beenden" wollen. "Ich hab' die Alte umgebracht", erklärte er danach zwei gemeinsamen Kindern, die aus einem Nebenraum Augenzeugen der ersten Schläge geworden waren, sagte aber auch: "Eure Mutter hat keine Schmerzen mehr. Sie ist jetzt im Himmel." Im Morgengrauen des folgenden Tages machte der 54-Jährige die Kinder zu Komplizen einer schrecklichen Tat. Die elf Jahre alte Tochter half ihm, den Leichnam der Mutter, deren Kopf mit einer Plastiktüte bedeckt war, in ein nahes Wäldchen zu schleifen. Der jüngste Sohn (7) sammelte Laub und Zweige zum Bedecken der Toten. In ihrer Urteilsbegründung ließ die Vorsitzende keinen Zweifel, dass sich dieses Einspannen der Kinder "durchschlagend negativ" auswirken müsse, die Tat brutal und unentschuldbar sei, dass nur eine Sanktion im oberen Fünftel des Strafrahmens in Frage komme. Auf Totschlag stehen bis zu 15 Jahre Haft. Gleichzeitig lieferte Brüninghaus eine einfühlsame Urteilsbegründung. In Teilen der Öffentlichkeit mag Karl Heinz B., der frühere Buchhändler und Musiker, als eine Art Monster gesehen werden. Doch es gibt auch etwas, das für ihn spricht. So hatte der 54-Jährige sofort gestanden, seiner elfjährigen Tochter damit eine Aussage vor Gericht erspart, er ist nicht vorbestraft und hat die Tat nach Erkenntnissen der Kammer nicht geplant. Wie konnte es so weit kommen? Sicher scheint, dass es in der Vergangenheit auch schöne Zeiten gab. Sicher ist, dass am Schluss der soziale Abstieg stand: Suff, Drogen, Streit und Gewalt, Sozialhilfe. All dies "passte nicht in das gutbürgerliche Gesellschaftsleben", so die Richterin. Die Familie habe "in völliger Isolation" gelebt. Weihnachten 2004 rammte der zweitälteste Sohnseinem Vater ein Messer in den Bauch. Der Alte überlebte, der Filius kam in die Psychiatrie. Sorgen und Frust wurden wie zuvor im Alkohol ertränkt, beim Streiten keine Rücksicht auf die Kinder genommen. "Wie kann es sein, dass intelligente und sensible Menschen ihren Kindern ein solches Martyrium zumuten?", fragt Dr. Brüninghaus. "Und wie kann es sein, dass eine Familie jahrelang isoliert lebt?" Vor einer Bluttat, die vielleicht vermeidbar gewesen wäre, stehen auch Richter manchmal mit fassungslosem Entsetzen. Brüninghaus wünscht sich "mehr Toleranz gegenüber Menschen, die nicht in unser Gesellschaftsbild passen". Nach Verbüßung von zwei Dritteln der Haftstrafe kann B. auf Bewährung freikommen. Gegen das Urteil ist noch Revision möglich.

Wünscht sich "mehr Toleranz gegenüber Menschen, die nicht in uns
  • Wünscht sich "mehr Toleranz gegenüber Menschen, die nicht in unser Gesellschaftsbild passen": Richterin Dr. Birgit Brüninghaus.
Landgerichtspräsident Friedrich von Oertzen überreicht den Filmt
  • Landgerichtspräsident Friedrich von Oertzen überreicht den Filmteams im Bückeburger Gerichtssaal die Pressemeldung mit dem Urteil. Fotos: tol
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