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Studie: Umgangsformen sind für die Karriere wichtiger als Zeugnisse

Brötchen als Stein im Weg…

Die letzte Bewerbungsrunde für die Besetzung einer Position im gehobenen Management fand in einem Nobelrestaurant statt. Der Favorit des Personalchefs hatte bis dahin alle Trümpfe in der Hand. Dann entschied sein Umgang mit dem Beilagenbrötchen über sein Schicksal. Erst legte er es auf den falschen Teller. Dann schnitt er es mit dem Messer in der Mitte durch und bestrich es dick mit Butter. Danach nahm er eine Hälfte in die Hand und biss genüsslich ab. Nach dem Essen legte er sein Besteck auf dem Tisch ab. Aus, vorbei.

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Der Personalchef entschied, den Kandidaten von der Liste zu streichen. Der Grund: Schlechte Tischmanieren dienen als Gradmesser für die gesamte Kinderstube des Kandidaten. Der Bewerber war zwar am besten qualifiziert für den Job, aber nun erfuhr er nicht einmal den wahren Grund für die Absage.

Zweihundert Jahre nach Freiherr Adolph Knigge sind Benimmregeln aktueller denn je. Gerade im Berufsleben. Das überraschende Ergebnis einer Studie der Universität Darmstadt: Das Auftreten und eine natürliche Souveränität sind für die Karriere wichtiger als alle Zeugnisse. Wer sich von klein auf an die richtigen Umgangsformen gewöhnt, hat einen beträchtlichen Vorsprung, auch auf der Karriereleiter.

Militärischer Drill ist heute aber nicht mehr gefragt. „Den guten Eindruck macht man nicht mit Hilfe von starren Verhaltensregeln. Vielmehr entscheiden Sensibilität und erhöhte Wahrnehmung beim Zusammentreffen mit Geschäftspartnern“, so Benimm-Trainerin Tanja Frei vom hr TEAM, einem Beratungsunternehmen für Organisations- und Personalentwicklung.

Immer wieder das Paradebeispiel: die Begrüßung. Nicht immer ist der freudig ausgestreckte Arm angebracht. Laut Trainerin Frei ist im Umgang mit Menschen Anpassungsfähigkeit gefragt. Der Ranghöhere entscheidet. Hält er die Hand hin, ergreift man sie. Bevorzugt er die verbale Begrüßung, ist man gut beraten, es ihm gleich zu tun. Wer im ersten Moment der Begegnung nicht auf Zack ist, muss unter Umständen lange dafür büßen. Ein neuer Geschäftspartner meißelt seinen Eindruck erst einmal in Stein. Der erste Eindruck bildet sich in sieben Sekunden und hält die nächsten sieben Jahre.

Nur wenige beherrschen von Anfang an etwa den korrekten Umgang mit der Visitenkarte, die ihnen überreicht wird. Meist verschwindet das wichtige Papier sofort nach der Übergabe in der Jackentasche. „Falsch“, sagt Frei, „der Karte und damit dem Eigentümer muss explizit Werteschätzung entgegen gebracht werden“. Also: Aufmerksam studieren und falls angebracht einzelne Punkte ansprechen, wie „Aha, Sie sind also Werbeleiter, sehr gut, das passt ja zum Thema…“.

Auch Benimm-Regeln gehen mit der Zeit. So gilt eine Frau im Berufsleben als emanzipiert und erhebt sich am Tisch zum Gruß. Genauso darf sie sich selbst in einer Runde vorstellen, wenn sie nicht von einem Kollegen vorgestellt wird.

Warum Umgangsformen gerade heute von Bedeutung sind? Je schneller sich die Welt verändert, je mehr Halt suchen die Menschen in bewährten Ritualen.

Auf das Vorstellungsgespräch und weitere „Begegnungen“ mit Vorgesetzten sollte man sich gut vorbereiten – und dabei auch nicht vergessen, dass es neben fachlichen Qualifikationen auch um gutes Benehmen geht.

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