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Brauthemd zur Hochzeitsnacht

Rinteln (who). Noch bis zum 28. Februar ist im Rintelner Museum in der Eulenburg im Rahmen der Sonderschau „Meisterwerke der Kunststickerei“ auch unser heutiges Fundstück zu sehen. Es stammt aus der Familie der Clementine von Münchhausen (1849 bis 1913), die ein Großteil der Exponate der Ausstellung geschaffen hat.

Das Brauthemd der Catharina von Münchhausen ist reich verziert m

Wie in einem gläsernen Schneewittchensarg präsentiert sich das mit aufwendiger geklöppelter Reticellaspitze besetzte „Brauthemd“ der Catharina von Münchhausen, geborene von Selmnitz (1665 bis 1734). Am 13. Januar 1683 wurde sie mit Gerlach Heino von Münchhausen (1652 bis 1710) vermählt. Gemäß den damaligen Hochzeitsgebräuchen hat das Brauthemd neben dem eigentlichen Brautkleid eine besondere Rolle gespielt beziehungsweise eine spezielle Bedeutung gehabt. Wie andere Bräute auch trug Catharina von Selmnitz ein solches Hemd an ihrem Hochzeitstag, genauer gesagt auf dem sogenannten Brautlager in der Hochzeitsnacht. Zur Erklärung: Nach der Trauung und gebührenden anschließenden Feier wurde das frisch verheiratete Paar von seinen Familienangehörigen und Hochzeitsgästen zu seinem Schlafgemach begleitet. Je nach regionaler Gepflogenheit zeigte es sich vor seinem finalen Eintritt in die Ehe noch einmal im Bett sitzend, bevor die Tür geschlossen wurde und man die Hochzeiter sich selber überließ. Natürlich geschah diese Verabschiedung mit geziemtem Anstand und züchtig gekleidet, wobei die junge Frau besagtes Brauthemd trug. Je nach gesellschaftlichem Stand und Vermögen war dieses Kleidungsstück mehr oder weniger aufwendig und wertvoll gearbeitet. Ob sich auch die gut gemeinten Ratschläge der Hochzeitsgäste für das frisch getraute Paar gemäß des gesellschaftlichen Standes unterschieden haben, wäre gesondert zu klären. In der nachfolgenden Sache dürfte es rein praktisch gesehen jedenfalls keine gravierenden Unterschiede gegeben haben...

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