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115 Mitglieder des Obernkirchener HSV-Fanclubs sind Augenzeugen eines historischen Fußballspiels

"Blaue Sterne" beherrschen Isar-Metropole

Obernkirchen. Der ohrenbetäubende Jubel nach dem Schlusspfiff in München müsste eigentlich bis in die Bergstadt zu hören gewesen sein. Über 10 000 HSV-Anhänger feierten eine schwarz-weiß-blaue Party. Und mittendrin 115 Mitglieder und Freunde des Fanclubs "Blauer Stern zu Schaumburg", der zu den größten Fangemeinschaften in Deutschland gehört. Nach 24 Jahren ein Sieg beim Nord-Süd-Gipfel in der Isar-Metropole - das war zugleich das Größte, was die Mannen um den Obernkirchener Uwe Rennekamp mit ihrem Verein bisher erlebt haben.

Und die Hände zum Himmel... Glücksgefühl pur: Der erste Sieg sei

Autor:

Siegfried Klein

Schon am frühen Freitagmorgen hatten die Busse die Mitfahrer aus verschiedenen Orten des Schaumburger Landes und aus Porta Westfalica eingesammelt. Eine Anreise erst am Spieltag wäre bei den winterlichen Straßenverhältnissen riskant gewesen. Außerdem wollte der Vorstand des Fanclubs mit seinem rührigen 1. Vorsitzenden und Organisationstalent Uwe Rennekamp den Mitgliedern auch mal wieder ausgiebig Gelegenheit zum Kennenlernen bieten. Die Fahrt war schon seit Monaten ausgebucht. Untergebracht waren die Schaumburger HSV-Fans in Berching, einem malerischen Städtchen am Rhein-Main-Donau-Kanal. Am Sonnabendmorgen steuerten die Busse dann durch tief verschneite Landschaften die bayerische Metropole an. Trotz einer überfüllten Autobahn erreichte die Fantruppe schon am frühen Vormittag die Allianz-Arena. Dort wurde gerade mit dem Wegräumen der Schneemassen begonnen. Für die ersten Busse gab es noch keine freien Stellflächen. Niemand wusste zu diesem Zeitpunkt, wo sie später stehen würden. Auch die Innenstadt versank im Schnee. Die Räumdienste waren völlig überfordert. Zur Mittagsstunde beherrschten die HSV-Anhänger das Feld rund um den Marienplatz, vor dem Rathaus und auch im Hofbräuhaus. Die hauseigenen Sicherheitskräfte überzogen dabei deutlich ihre Kompetenz: Ein friedlicher Hamburg-Fan musste erst seine Mütze absetzen und dann noch sein HSV-Trikot ausziehen - weil diese Bekleidung als "Provokation" zu verstehen sei. "Wir haben eine entsprechende Order und würden selbst bei Beckenbauer keine Ausnahme machen", ließen die Sicherheitsleute mit Drohmiene wissen. Die Obernkirchener ließen sich davon aber nicht einschüchtern und behielten ihre Fan-Kleidung am Leib. Wie inÖlsardinendosen stapelten sich die Stadionbesucher in der U-Bahn. Es ging dort laut, aber friedlich zu. In vier langen Kolonnen traten fast 70 000 bei dichtem Schneetreiben den langen Weg von der Station zur Arena an. Die Gastgeber erlebten eine regelrechte Invasion von Rautenträgern. "Wir sind alle Hamburger Jungs" sangenüber 10 000 in der Nordkurve, und sie stellten die Bayern-Anhänger an diesem Tag stimmlich in den Schatten. Sie hatten auch allen Grund dazu. Zwei Siege gegen den souveränen Spitzenreiter in einem Spieljahr, der sonst kein einziges Spiel verloren hat - das ist etwas für die Geschichtsbücher. "Bis zum nächsten Erfolg in München möchten wir allerdings nicht wieder 24 Jahre warten", hofft Uwe Rennekamp, dessen Fanclub wohl bald neuen Zulauf bekommen wird. Vielleicht wird er damit Spitze in Deutschland. Auf dem Weg dorthin ist er.

Obwohl die Innenstadt von München im Schneechaos versank, auf ei
  • Obwohl die Innenstadt von München im Schneechaos versank, auf einen Besuch im Hofbräuhaus wollten die HSV-Fans nicht verzichten. Zumindest die U-Bahn zum Stadion verkehrte ja noch...
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