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Viele Autofahrer lehnen neuen Sprit ab

Bio-Benzin E10: Unsicherheit an der Zapfsäule

Bad Münder (jhr). „Verunsicherung pur“. Tim Dräger fällt es nicht schwer, seine Erfahrungen mit Kunden an der SB-Tankstelle in Hasperde zusammenzufassen. Als erste Tankstelle auf münderschem Stadtgebiet hat sie den neuen Sprit E10 mit zehn Prozent Bio-Ethanol-Anteil im Angebot – und aufgebrachte Kunden gratis dazu. Dabei richtet sich der Frust der Autofahrer gar nicht gegen die Tankstelle: Bei Dräger und seine Kollegen wird die Verärgerung über die Einführung des Biosprits grundsätzlich abgeladen.

Das Schild ist da, der Sprit lässt auf sich warten: Monteur Stephan Zeiz beschriftet eine Tanksäule neu.

Dräger kann die Verunsicherung in Zahlen fassen: In einem Vergleichszeitraum verkaufte er gestern 1700 Liter Super, 450 Liter Super plus und 1600 Liter E10 – und das, obwohl der neue Treibstoff rund sechs Cent günstiger ist und nach Angaben des Mineralölwirtschaftsverbandes von mehr als 90 Prozent der Benziner getankt werden kann. „Die Leute wissen nicht, wie sie mit dem Thema umgehen sollen. Wir haben jetzt sogar eine Mappe erstellt, in der sich Autofahrer informieren können, ob ihr Fahrzeug E10 verträgt“, sagt Dräger.

Mit Informationen versorgen auch andere Tankstellenpächter in Bad Münder ihre Kundschaft, mit E10 hingegen noch nicht. „Wir warten noch darauf, aber es gibt noch keine Ansage von unserem Lieferanten, wann wir es bekommen“, sagt beispielsweise Christel Jessing, Mitarbeiterin der AVIA-Tankstelle in Eimbeckhausen. Seit gestern Nachmittag ist allerdings klar, dass das durchaus länger dauern kann: Nach den massiven Verkaufsproblemen wird die bundesweite Einführung vorläufig gestoppt, teilte der Branchenverband der Mineralölwirtschaft am Nachmittag mit und reagierte damit auf massive Absatzprobleme. Probleme, die sich auch Sabine Runge an der Tankstelle des Autohauses Speckin lebhaft vorstellen kann. „Die Leute kommen rein und fragen, ob wir schon E10 haben – und sind dann erleichtert zu hören, dass wir noch nicht dabei sind.“ Ähnliche Erfahrungen hat auch Sarah Stummeier an der Kasse der LTG-Tankstelle in Bad Münder gemacht. E10 ist noch nicht in den Tanks, doch schon die Informationsbroschüre am Kassentresen provoziert Wutanfälle: „Mehr Bio im Benzin“, lässt das Bundesumweltministerium den neuen Sprit darin bejubeln. „Die Leute sind sauer“, sagt Stummeier.

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