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Journalisten besichtigen OI-Glashütte / Umwelthilfe gegen PET- und für Glasflaschen

Bier und Wein als sichere Bastion fürs Glas

Rinteln (wm). Für die Deutsche Umwelthilfe (DUH) ist die Mehrwegflasche aus Glas praktizierter Umweltschutz. Deshalb hat der Verein jetzt 15 Journalisten aus Norddeutschland zu einer zweitägigen Rundreise eingeladen, auf der die Stationen einer Glasflasche gezeigt wurden - von ihrer Entstehung und Befüllung bis zum Recycling. Erste Station war am Dienstag deshalb die Glashütte Owens-Illinois (Stovesandt), wo sich der Kreislauf schließt - hier werden Glasflaschen hergestellt, dazu bis zu 80 Prozent Altglas verwendet.

Im Fokus der Journalisten: Die Glasproduktion bei der Glashütte

Mit Anlass für die Presseinformationsreise sei, dass aktuell die Mehrwegquote für Wasser und Erfrischungsgetränke unter 40 Prozent gefallen ist, schilderte Maria Elander, Projektleiterin bei der DUH, für die PET-Flaschen Teufelszeug sind. Dass PET nicht ins Weltbild passt, war sicher mit ein Grund, warum der Pressetross nicht auch beim europaweit bedeutenden Safthersteller Wesergold Station gemacht hat. Denn bei Wesergold wird nur noch Mineralwasser in die klassische Perlenflasche aus Glas abgefüllt, Frucht- und andere Säfte in PET-Flaschen oder Tetrapacks, den beschichteten Karton. Für Wesergold-Firmenchef Richard Hartinger jun. ist klar: Die Umwelthilfe habe mit ihrer Lobby im Verpackungsgesetz die 25 Cent Pfand durchgesetzt - damit sei der Standpunkt des Vereins festgelegt. Bereits vor Jahren habe eine von Wesergold in Auftrag gegebene Öko-Bilanz gezeigt, dass sich der Vorteil von Glas durch die hohe Recyclingquote gegenüber PET wie den Tetrapacks letztlich bei den Transportwegen wieder aufhebe: Glas wiegt schwer und muss als Leergut per Lkw wieder abgeholt und dann gereinigt werden. PET würde von den Verbrauchern eben durch das geringe Gewicht geschätzt und - PET zerbricht nicht wie Glas, bei Kindern ein nicht zu unterschätzender Sicherheitsfaktor. Matthias Warneke, Marketing Manager bei OI, sah vor dem Presserundgang in der Glashütte die Gewissensfrage "PET oder Glas" dann auch nicht ganz so dramatisch wie die Sprecherin der Umwelthilfe. Zwar sei es aus Sicht der Glasindustrie "höchst bedenklich", dass vor allem Discounter mehr und mehr auf PET setzten, doch für Warneke sind Bier, Wein und Spirituosen eine sichere Bastion für Glas. Er könne sich beim besten Willen nicht vorstellen, dass Bier- oder Weintrinker in der Mehrzahl PET als Verpackung akzeptieren würden: "Das ist eine Frage von Tradition, Stil und Geschmack." Bisher habe sich Bier in PET-Flaschen nicht durchsetzen können. Gleiches gelte für Mineralwasser, das in Gaststätten angeboten werde - nämlich in Glasflaschen, meist in Rinteln produziert. Die Glashütte in Rinteln, betonten Warneke wie Betriebsleiter Peter Ernst vor den Journalisten, habe im US-Konzern OI - weltweit größter Glashersteller - eine gute Position. Die Rintelner Hütte sei als Einzige im Konzern in der Lage, 30 verschiedene Farben herzustellen. Eine Technologie, die in der Weserstadt entwickelt worden ist. Die Rintelner Glashütte sei auch deshalb gut im Geschäft, betonte Ernst gegenüber den Journalisten, weil sie kleine Serien produzieren könne und Flaschen jeder Größe, von der gerade mal 20 Millimeter großen Jägermeisterflasche ("ein Schluck") bis zu Drei-Liter-Flaschen für die Gastronomie, aus der Bacardi ausgeschenkt wird. Die Glashütte hat derzeit 230 Mitarbeiter, die rund um die Uhr in vier Schichten arbeiten. Die Technik, betonte Ernst, sei auf dem neuesten Stand. Bei Farbglas werde bis zu 75 Prozent Altglas verarbeitet, was auch wirtschaftlich sinnvoll sei, da man damit rund 20 Prozent Energie spare. Und Glas habe nach wie vor gegenüber PET einen Vorteil, so Ernst: Es werde aus einem Rohstoff hergestellt, an dem auch in Zukunft kein Mangel herrschen werde - nämlich aus Sand. Für PET brauche man dagegen Öl.

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