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Patienten auch einmal in den Arm nehmen / Konferenz in Wittenberg

Bethel-Handchirurg: Das Alter nicht als Krankheit verurteilen

Bückeburg (bus). "Chirurgie des alten Menschen" lautete das klinisch-wissenschaftliche Leitthema einer Konferenz evangelischer deutscher Krankenhäuser in Wittenberg. Die Zusammenkunft führte unter der Schirmherrschaft des Berufsverbandes der Deutschen Chirurgie mehr als 300 Fachleute in der Lutherstadt zusammen. In der international und hochkarätig besetzten Referentenliste war mit Dr. Michael Schönberger auch ein Arzt des Bückeburger Krankenhauses Bethel vertreten. Schönberger informierte die Kollegenschaft darüber, was Lebensqualität für den alten Menschen bedeutet.

Handgelenksoperationen zählen zu den Spezialgebieten der Chirurg

Der Vortrag des Bethel-Mediziners trug den Titel "Altersunabhängige Versorgung von distalen Radiusfrakturen zur Aufrechterhaltung bestehender Lebensqualitäten". Mit "distalen Radiusfrakturen" bezeichnen die Experten Brüche des Handgelenks. Solche Frakturen führen häufig und insbesondere bei älteren Frauen und Männern dazu, dass sie aus ihrer gewohntenUmgebung herausgerissen werden. "Große Akutkrankenhäuser sind nicht immer darauf eingerichtet, den verunsicherten, pflegebedürftigen alten Menschen sensibel und zeitintensiv genug zu behandeln", erläutert Schönberger. Hier setze der Leitgedanke kleiner und christlich orientierter Krankenhäuser ein, seelische Probleme frühzeitig zu erkennen und mit Hilfe einer möglichst übungsstabilen Versorgung des Handgelenkbruchs und einer entsprechenden Nachbehandlung (Krankengymnastik und Ergotherapie) den Patienten deren gewohnte Lebensqualität zurückzugeben. Das Referat - Grundtenor: Das Alter ist keine Krankheit - basierte auf zahlreichen Fallstudien, die den Erfolg des diagnostischen und therapeutischen Vorgehens in der Handchirurgie des Bückeburger Krankenhauses dokumentierten. Als Schwerpunkte nannte Schönberger die Gesichtspunkte Gesundheit (möglichst schmerzfrei) und Unabhängigkeit (möglichst uneingeschränkte Mobilität). Dem letztendlich erfolgreichen Ausgang einer Operation sei, zusätzlich zu besonderen Hilfestellungen,darüber hinaus nicht abträglich, den "Patienten auch einmal in den Arm zu nehmen". Während der Konferenz wurde darauf hingewiesen, dass Strukturveränderungen und Neuorientierungen im Gesundheitswesen den Chirurgen vom erfahrenen, eigenständigen Heilkundigen zum leistungsbringenden Heiltechniker degradieren könnten. "Die definitiven Auswirkungen auf die Krankenhausstrukturen sind derzeit noch nicht in vollem Umfang absehbar", sagte Professor Dr. Helmut Zühlke. Der wissenschaftliche Leiter des Seminars hob hervor, dass der alte Mensch in der heutigen Gesellschaft einen besonderen Stellenwert erhalten habe. Unter budgetierten sozioökonomischen Ressourcen sei die Frage nach der Sinnhaftigkeit von Therapiestrategien aus Sicht aller Beteiligten - Patienten, Leistungserbringer und Kostenträger - immer dringlicher zu stellen.

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