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Vorsitzender des Heilbäderverbandes referiert über die Zukunft der Kurorte

Bestand pflegen und Chancen nutzen

Bad Münder (hzs). Ein paar reiche Russen, die Besinnung auf die eigene Stärke, absolute Professionalisierung und eine zielgerichtete Akquise potenzieller Gäste – das sind die Zutaten, die aus einem Kurort einen erfolgreichen Kurort machen. Welche Entwicklungen beachtet und Maßnahmen ergriffen werden können, um den richtigen Weg einzuschlagen, hat der Vorsitzende des Heilbäderverbandes Niedersachsen, Heinz-Hermann Blome, jetzt bei einem Vortrag in der Rohmelbadgaststätte verraten.

Der Vorsitzende des Heilbäderverbandes Niedersachsen, Heinz-Herm

Auf Einladung des CDU-Stadtverbandes kamen rund 30 Zuhörer aus den verschiedensten Lagern, um sich die Tipps und Tricks des Fachmannes anzuhören. Anhand von Statistiken zeigte Blome den grundlegenden Wandel auf, der sich in den vergangenen Jahren in den Kur- und Bäderstandorten vollzogen habe. Längst vorbei seien die Zeiten der von Ärzten verordneten und von Kassen bewilligten Kuraufenthalte nach dem Motto „Morgens Fango, abends Tango“.

Der herkömmliche, vielfach ehrenamtlich gemanagte Kurbetrieb sei durch gänzlich neue Rahmenbedingungen bestimmt. Infolge immer mehr älterer Menschen, die Erlebnis- und Wohlfühlurlaub verbinden wollen, und daraus resultierenden neuen Zielgruppen wie den „Happy Oldies“ müsse eine zielgenaue Akquise der potenziellen Gäste stattfinden.

Vom „gesellschaftlichen Ballast“ habe sich das Gesundheitswesen zu einem prosperierenden Wirtschaftszweig mit derzeit 4,6 Millionen Beschäftigten entwickelt. „In fünf Jahren werden in diesem Bereich mehr Menschen arbeiten als im Flaggschiff der deutschen Wirtschaft, der Autoindustrie“, sagt Blome voraus. Die Branche sei nicht exportorientiert, damit krisensicher und von Auswirkungen der globalen Finanz- und Wirtschaftskrise nicht betroffen. Auch die Politik nehme sie zunehmend in den wirtschaftspolitischen Fokus.

Professionelles Management sei deshalb unabdingbar. Blomes Botschaft: „Hier liegt ein Markt mit großem Potenzial und beträchtlichen Zukunftschancen vor uns.“ Allerdings gelte: „Die Schnellen fressen die Langsamen“. Jeder in einer Kurstadt ausgegebene Euro werde in der Regel „am Ort 2,9 mal gedreht“ bis er wieder weggehe – doch gelte es, die Potenziale des jeweiligen Bades sorgfältig zu prüfen und vor dem Hintergrund der neuen Rahmenbedingungen zielgerichtet zu entwickeln.

Was das für Bad Münder heiße, wollten die Teilnehmer wissen. Blomes Ratschlag: „Machen Sie Ihre Schularbeiten! Prüfen Sie, welche Trümpfe Sie haben und wie Sie die mit geringem Aufwand auf Qualität bringen können!“ Immerhin sei das Heilquellenbad durch die erfolgreiche „Re-Prädikatisierung“ in der obersten Liga der niedersächsischen Kurorte verblieben, während andere unter dem wachsenden Druck künftig wohl einer fortschreitenden „Marktbereinigung“ zum Opfer fallen würden.

„Setzen Sie auf Qualität!“, so Blome, der ausdrücklich vor einer Entwicklung in Richtung „Low-Budget-Angebote“ warnte. Eine „Internationalisierung“ der Angebote sei notwendig. „Im Low-Budget-Markt haben Sie null Chancen. Das können die Tschechen und Polen besser“, sagt Blome. „Ein paar reiche Russen wie in Bodenwerder könnten Sie hier auch gut vertragen“, so der Bäder-Experte.

„Wir haben bereits sämtliche Bausteine, um erfolgreich in die Zukunft zu starten“, stellte Hans-Ulrich Siegmund fest. Jetzt gelte es, diese auszubauen und richtig zu arrangieren, so der Stadtverbandsvorsitzende.

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