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Schöttelndreier geht auf Distanz zu NNG-Plänen / Kreisverwaltung will politische Entscheidung

"Bergabtrag ist momentan nicht vorstellbar"

Landkreis/Steinbergen (wer). Die Stadt hat den Abbau des Messingsbergs bereits abgelehnt - jetzt geht auch die Kreisverwaltung auf Distanz: "Ein weiterer Abtrag des Kamms ist derzeit nicht vorstellbar", sagt Landrat Heinz-Gerhard Schöttelndreier. Politisch gewinnt damit die vom Naturschutzbund favorisierte "Null-Lösung" an Gewicht.

Der Landkreis kann im bevorstehenden Genehmigungsverfahren des Gewerbeaufsichtsamtes Hannover ein wichtiges Wort mitreden. Der von der Norddeutschen Naturstein GmbH (NNG) angestrebte Abtrag des Kamms nimmt Flächen außerhalb des genehmigten Bereichs in Anspruch, schneidet in das Landschaftsschutzgebiet. Dafür müsste der Landkreis grünes Licht geben. Verbietet er hingen den Eingriff, hätte das Gewerbeaufsichtsamt gute Gründe, die Genehmigung nicht zu erteilen. Allerdings keine zwingenden Gründe: Theoretisch könnte die Behörde in Hannover die Befreiung vom Landschaftsschutz auch selbst durchsetzen. Festgelegt hat sich die Kreisverwaltung inzwischen auf das Prozedere: Da die Entscheidung von "grundsätzlicher Bedeutung" sei, so Schöttelndreier, soll der Kreistag im Rahmen eines Teillöschungsverfahrens den Erhalt oder Nicht-Erhalt des Landschaftsschutzgebietes beschließen. An diesem Verfahren sollen auch die angrenzenden Gemeinden beteiligt werden, neben Eilsen und Auetal auch die Stadt Rinteln, die sich per Ratsresolution nicht nur gegen einen Abtrag des Kamms, sondern auch für eine Betriebsstilllegung ausgesprochen hat. Bei der Kreisverwaltung scheint die Stadt zumindest mit der ersten Forderung offene Türen einzurennen: Schöttelndreier zeigt sich skeptisch gegenüber den Plänen der NNG. Momentan sei ein Abtrag nicht zu befürworten. Es sei denn, lässt der Landrat eine Hintertür offen, noch laufende Untersuchungen würden zu dem Ergebnis kommen, dass allein ein Abtrag "zwingend" Sicherheit schaffe. Konkret vermisst der Landkreis den "Beweis", dass auch der Westteil des Berges nach dem Abtrag im Osten standsicher ist. Nur dann wäre das Sicherheitsargument der NNG überhaupt schlüssig. Ein Beweis, der angesichts der bewegten Vergangenheit auch dieses Teils des Berges seriöserweise kaum zu erbringen ist. Expertisen, die vor dem Bergrutsch erstellt wurden, sprechen ausdrücklich nur von mittelfristiger Sicherheit durch die Vorsprengungen, langfristig - "voraussichtlich in Jahrzehnten" - könne die Stabilität nachlassen. Und ausgerechnet der von der NNG beauftragte Gutachter Dr. Edmund Krauter hat die Sprengungen als untaugliches Bremsmittel seiner Vorgänger disqualifiziert und den Westteil als weiter rutschgefährdet eingestuft (wir berichteten). Auch der Naturschutzbund, der für eine "Hände-weg-vom-Berg-Variante" plädiert, hatte darauf hingewiesen, dass mit der "Sanierung" des Ostens keine Gesamtsicherheit geschaffen werde und Sperrzonen in jedem Fall eingerichtet würden. Die Abrutschung habe die Sicherheit sogar faktisch erhöht, weil sie eine unbekannte Gefahrenstelle sichtbar gemacht habe. Offen lässt Schöttelndreier, ob der Landkreis ein unabhängiges Gutachten einfordert, das nicht vom Unternehmen finanziert wird. "Das wird das Verfahren zeigen."

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