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BASTA: Vier Wochen Wartezeit für Erstgespräche / Übergriffe von Kindern auf Kinder häufen sich

"Beratung ist nicht mehr zu bewältigen"

Landkreis (sk). In Kindertageseinrichtungen häufen sich gewalttätige, teils sexuelle Übergriffe von Kindern auf Kinder. Dies berichteten im Jugendhilfeausschuss des Landkreises Ingetraud Wehking und Birgit Baron von der Fachberatungsstelle gegen sexuellen Missbrauch (BASTA).

Ein Mann hält seine Familie hinter heruntergelassenen Jalousien fest, verhindert den Kontakt von Frau und Kindern mit der Umgebung. Ein Mädchen erfährt schwerste Misshandlungen durch die eigenen Eltern. Ein anderes Mädchen wird vom Bruder missbraucht und leidet in Folge unter Essstörungen. Ein weiteres Mädchen wird Opfer von Vergewaltigung durch zwei verschiedene Männern aus ihrer näheren Umgebung. Die Aussagen beschreiben nur vier von 26 Fällen, mit denen sich die BASTA-Mitarbeiterinnen im Frühjahr 2008 auseinandersetzen mussten - in einem Zeitraum von nur 14 Tagen. Wehking und Baron berichteten im Ausschuss von ihrer Arbeit, anonymisierten hierbei jeden Beratungsinhalt. Im Beratungskalender tauchen außer den genannten Fällen Vorkommnisse auf, die bislang selten waren, sich aber laut Wehking und Baron häufen. Kindertageseinrichtungen wenden sich vermehrt ratsuchend an BASTA, weil Kinder sich an Kindern vergreifen, sei es dass ein Kindergartenkind außerhalb der Einrichtung von einem älteren Kind oder Jugendlichen belästigt wird, sei es, dass Übergriffe in der Kita erfolgen. Die Hemmschwellen der Gewaltbereitschaft sinken, so Baron später im Pressegespräch. Und Kinder ahmten nach, was sie im Fernsehen oder auf dem Handydisplay sehen. Für Erzieherinnen und Grundschullehrerinnen wollen Wehking und Baron Ende 2009 ein Seminar veranstalten, in der die spezielle Thematik besprochen werden kann. Gern würden die Pädagogin und dieTherapeutin häufiger präventiv in Schulen und Kindergärten arbeiten. Und sie wollen sich beratend um Kinder kümmern, die entweder selber Opfer von Gewalt geworden sind oder diese - zumeist im häuslichen Umfeld - mit ansehen mussten. Die Not der Kinder sei bislang nicht in den Vordergrund gerückt. Der Schwerpunkt der BASTA-Arbeit lag auf der Hilfe für Frauen. Jedoch: Sowohl für Prävention als auch für eine Ausweitung des Beratungsspektrums fehlt die Zeit. Mit nur einer Stelle, die sich Baron und Wehking teilen, und acht zusätzlichen Stunden "ist die Beratung nicht mehr zu bewältigen", teilte Wehking mit. Auf ein Erstgespräch müsse eine Hilfe suchende Frau inzwischen drei bis vier Wochen warten. Oft habe diese dann der Mut verlassen, sich bei BASTA zu melden. Wehking und Baron zeigten im Ausschuss auf, dass dringend 20 Stunden mehr für Beratung benötigt werden, 15 zusätzliche Stunden für Prävention und zehn Stunden mehr für Öffentlichkeitsarbeit, jeweils geleistet von qualifizierten Kräften.

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