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Alles, was man normalerweise mit einem Auto nicht machen sollte – „Dynamit auf Rädern“

„Benzin im Blut ist Grundvoraussetzung“

Bad Münder (bdi). Einhändig am Steuer? Kein großes Kunststück, sondern ein Bild, das man im Straßenverkehr häufiger beobachten kann. Etwas anderes gilt aber, wenn der Fahrer es schafft, das Auto gleichzeitig auf zwei statt vier Rädern über den Asphalt zu lenken. Für die Familie Korthloff ist auch das täglich Brot. Mit ihrer Stuntshow „Dynamit auf Rädern“ gastierte sie jetzt auf dem Rewe-Parkplatz in Bad Münder.

Volle Konzentration: zwei Autos auf vier Rädern.  Fotos: bdi

Schon wenige Minuten nach dem Startschuss liegt der Geruch von verbranntem Gummi und Abgasen in der Luft. Das Publikum ist auf Anhieb begeistert – dicht gedrängt sitzen große und kleine Motorfans auf den Bühnen und verfolgen das rasante Geschehen. „Wollt ihr noch mehr?“ fragt Wanja an die Zuschauer gewandt, um die Stimmung weiter anzuheizen. Ein lautstarkes „Jaaa“ schallt vielstimmig zurück.

Während sich Fahrer und Maschine auf der einen Seite des Parkplatzes aufwärmen, geht es auf der anderen schon mit Vollgas rauf und runter – mal auf zwei Rädern, dann mit Handstand auf der Tür oder kreiselnd um ein hübsches Stuntgirl schleudernd. Das Geräusch von Metall auf Asphalt ist zu hören, Funken sprühen.

Was braucht es, um solche waghalsigen Manöver zu beherrschen? Wanja Korthoff muss nicht lange überlegen: „Benzin im Blut ist die Grundvoraussetzung.“ Mit 54 Jahren ist er nicht nur Familienältester und wohl erfahrenster Fahrer der Gruppe, sondern auch Moderator der spektakulären Show. „Und natürlich jahrelanges Training“, fügt er hinzu.

Die Bezeichnung „Familienbetrieb“ ist übrigens wörtlich zu nehmen: Selbst der dreijährige Sohn als jüngster Sprössling sitzt schon selbstbewusst auf einem Quad, wie sich die vierräderigen Motorräder nennen. Seine ersten Fahrversuche werden von der Tribüne aus begeistert beklatscht. Sein immerhin schon neunjähriger Bruder Ricardo beeindruckt die Besucher hingegen schon mit einer Fahrt auf der Seite.

Weiter geht es mit atemraubenden Überschlägen, mutigen Sprüngen mit dem Motorrad über eine Gruppe am Boden liegender Familienmitglieder. Beim sogenannten Todessturz halten alle den Atem an: Ein Auto samt Fahrer wird vom Kran auf rund 40 Meter in die Höhe gezogen – um dann in einen aufgetürmten Schrotthaufen zu stürzen. Unversehrt krabbelt der Fahrer aus dem Wrack heraus.

„Dass bei solchen Stunts keine Versicherung für die Schäden zahlt, ist selbstverständlich“, witzelt Wanja Korthloff am Mikrofon. Einige Besucher fassen sich dennoch ein Herz und steigen beim nächsten Mal mit ein. Sie vertrauen den trainierten Fahrern blind. Aber auch hier gilt: Sicherheit geht vor: Helm, verstärkte Jacken und Sicherheitsgurt sind ein Muss, wenn sich das Auto mehrmals überschlägt.

Nur eins geht an diesem Abend kaputt und das auch mit Absicht: Nach der Pause fahren große Trucks in die Arena und zermalmen, was noch übrig ist. So bleibt auf dem Schrottplatz später weniger zu tun.

„Früher waren wir oft bei Film und Fernsehen beschäftigt“, berichtet Wanja Korthloff wehmütig, „aber inzwischen wird bei einschlägigen Serien wie Cobra 11 immer häufiger mit ferngesteuerten Autos und Computeranimationen gearbeitet. Schlecht für unseren Beruf.“ Nach der Klimabilanz ihrer Stuntshows fragt man die Truppe aus dem thüningischen Eisenach am besten gar nicht erst…

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