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Friedhof Heeßen steht vor "Umbruch" / Rathaus sucht Angehörige / Bislang 68 Grabstellen eingeebnet

Bei 100 Gräbern ist das "Nutzungsrecht" abgelaufen

Eilsen (tw). Der von der Samtgemeinde betreute Friedhof Heeßen befindet sich - im Wortsinn - "im Umbruch", denn: "Bei mehr als 100 Grabstellen ist das 40-jährige Nutzungsrecht abgelaufen", berichtet Eilsens Bürgermeister Bernd Schönemann. Das ist die Frist, nach der die Gräber in der Regel eingeebnet werden - wenn sich kein Angehöriger findet, der sie noch einmal für den gleichen Zeitraum nachkauft.

Auf dem Friedhof Heeßen weisen grüne Schilder auf vielen Gräbern

Doch das Problem dabei ist, die Angehörigen der Toten überhaupt ausfindig zu machen. "Manch einer", sagt Schönemann, "ist in den alten Katastern überhaupt nicht verzeichnet". In einigen Fällen hatte weiland das Ordnungsamt die Bestattung(skosten) übernommen; auch dann findet sich meist niemand, der über den Ablauf des Nutzungsrechts informiert werden kann. In anderen Fällen sind die Angehörigen des Toten unbekannt verzogen, wohnen schon lange nicht mehr in der Samtgemeinde. Wenn eine Grabstelle eingeebnet werden soll, wird das durch ein grünes Schild angekündigt, das auf das Grab gesteckt wird. Aufschrift: " Angehörige bitte bei der Friedhofsverwaltung melden." Zusätzlich erfolgt ein vierwöchiger Aushang in den diversen Bekanntmachungskästen - auch in den Mitgliedsgemeinden. Sind noch Angehörige bekannt, werden diese vom Rathaus auch angeschrieben. "Bei 15 bis 20", rechnet der Bürgermeister, "war das aktuell der Fall". Nur in fünf Fällen sei ein Grab daraufhin noch einmal nachgekauft worden. Laut Schönemann betragen die Kosten für einen Nachkauf, durch den sich das Nutzungsrecht um weitere 40 Jahre verlängert, 1080 Euro für ein Doppel- und 620 Euro für ein Einzelgrab. Heißt im Ergebnis: In der überwiegenden Zahl der Fälle, bei denen es offensichtlich keine Angehörigen mehr gibt, wurden die "abgelaufenen" Gräber von Mitarbeitern des Bauhofs eingeebnet. "Das ist aktuell bereits 68 Mal geschehen", bilanziert Schönemann. Die Einfassungen aus Stein, die dabei entfernt wurden, füllen inzwischen drei Container. Sofern bei den Arbeiten noch Überreste der Verstorbenen gefunden wurden, seien diese "ordnungsgemäß entsorgt" worden. Auch wenn's etwas makaber klingt: Auf dem Friedhof ist damit wieder "Platz"; ganze Reihen von Gräbern konnten so freigemacht und einer Nachnutzung zugeführt werden. Was die Samtgemeinde beobachtet hat: Der Trend zu anonymen Bestattungen nimmt auch in Eilsen zu; besonders oft wird dabei die Urnenform gewählt. Denn auch in Eilsen gehen immer mehr Menschen davon aus, dass sich nach ihrem Ableben keine Angehörigen mehr finden, die sich um die Pflege der Grabstelle kümmern. Entweder, weil mögliche Kinder in anderen Teilen Deutschlands Arbeit gefunden haben - oder schlichtweg, weil viele zu einem Friedhof keine Beziehung mehr haben. Doch auch losgelöst von dem Bild, was sich derzeit durch das Einebnen so vieler Gräber bietet, wandelt der Friedhof Heeßen peu a peu sein Gesicht. "Wir haben auf dem Gelände viele Bäume auslichten und das Totholz entfernen lassen", sagt der Bürgermeister. Weil das Totholz in der Regel - hoch - in den Kronen sitzt, musste eine Fachfirma, die über das entsprechende Gerät verfügt, diese Arbeiten übernehmen. Zu tun bleibt auf dem Heeßer Areal gleichwohl auch 2008 noch eine ganze Menge: "Wir haben uns vorgenommen, den Bereich an der Südseite der Friedhofskapelle neu zu gestalten", gibt Schönemann einen Ausblick in die Zukunft. Besagter Bereich präsentiert sich derzeit noch als eine von Unkraut durchsetzte Rasenfläche. Aucheinige der Thuja-Hecken will die Samtgemeinde in diesem Zuge entfernen lassen; sie sind zu breit geworden. Würde man sie dagegen bloß zurück schneiden, würden sie braun werden und ein alles andere als ansehnliches Bild bieten. Was längst nicht allen Bürgern bewusst ist: Das Unterhalten eines Friedhofes kostet "richtig" Geld: Die Ausgaben für Heeßen beliefen sich im Verwaltungshaushalt 2007 auf 73 700 Euro, inklusive Personalkosten; 2000 Euro davon waren für die Pflege vorgesehen. Will das "Rathaus" seinen ehrgeizigen Plan umsetzen und den Friedhof Heeßen (noch) ansehnlicher machen, wird dieser Posten im Haushalt 2008 augenscheinlich angehoben werden müssen. Das letzte Wort haben - in diesem - Fall die Politiker.

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