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Schiedsrichter Dr. Markus Merküber sichere Entscheidungen - und Fehler: "Schalke tut mir weh"

"Beckham redet viel - Zidane braucht Schutz"

Rinteln/Bückeburg (crs). Der Mann ist Profi durch und durch. Die "Marke Markus Merk" vermarkten, das ist seine Mission, und die erfüllt er bei seinem ersten Auftritt im Landkreis bravourös. In Freizeithose und Poloshirt plaudert Deutschlands bekanntester Schiedsrichter nachmittags in der Bückeburger Volksbank mit Vertretern der Schaumburger Sportvereine, im dunklen Anzug spricht er abends am Rintelner Steinanger mit seinem Vortrag "Sicher entscheiden" zur Vertreterversammlung. Und zu beiden Anlässen hat Dr. Markus Merk das mitgebracht, auf was die Gäste der Volksbank gehofft hatten - etliche Anekdoten vom Fußballfeld.

...und bei der Vertreterversammlung der Volksbank (auch kleines

"Beckham muss ständig mit dem Schiri reden, bleibt aber ganz freundlich dabei", erzählt er zum Beispiel von den häufigen Wortwechseln mit Englands Ex-Kapitän. Ganz anders Zidane: Mit dem von ihm verehrten Franzosen ("ein Hochgenuss") habe er in den vielen, vielen Jahren kein einziges Wort gewechselt - "und trotzdem ist er der Spieler, mit dem ich am meisten kommuniziert habe". Als laufend attackierter Spieler brauche Zidane den permanenten Schutz des Schiedsrichters, "da muss man hellwach sein", lässt Merk im Gespräch mit den Sportvereinen vorsichtig anklingen, dass Zidanes Kopfstoß gegen Materazzi imWM-Finale unter Umständen zu vermeiden gewesen wäre. Und schließlich Luis Figo, der selbst bei ganz simplen Entscheidungen schon im Hintergrund lauere, bereit zur endlosen Diskussion: "Da laufe ich schnell 15, 20 Meter weiter, dann bin ich den los - der geht keinen Schritt zu viel." Auch ein Top-Entscheider muss sich manchmal allein auf seine Intuition verlassen, oder auf Hilfe von außerhalb. So hatte Merk beim EM-Spiel zwischen Dänemark und Schweden 2004 einen Foulelfmeter für Schweden gegeben, "obwohl ich überhaupt nichts gesehen habe". Die Hilfe kam vom Spielfeldrand: Der Assistent hatte in seiner Fahne einen Knopf gedrückt und so Merk informiert - die Weltöffentlichkeit war von der sicheren Entscheidung begeistert. Ähnlich oft trifft Merk Entscheidungen allein aus der Umfeldbeobachtung: "Oft gibt der Spieler selber für den Bruchteil einer Sekunde das Signal für die richtige Entscheidung - auch wenn er einen Augenblick später bei mir das Gegenteil reklamiert." Nicht immer habe er richtig entschieden, das räumt der zweimalige Weltschiedsrichter aus Kaiserslautern offen ein. "Es tut mir weh, wenn ich die Bilder von Schalke sehe", erinnert Merk selber an das dramatische Finale der Saison 2000/2001, als die Königsblauen durch seine umstrittene Freistoß-Entscheidung für Bayern München in allerletzter Sekunde (Merk: "Spielminute 91:48") den Titel verpassten und nur Meister der Herzen wurden. "Spaßbremse der Nation zu sein, das macht keinen Spaß." Seitüber 30 Jahren ist Merk Schiedsrichter, seit 1988 pfeift er Bundesliga-Spiele, mit der WM 2006 hat er sein fünftes großes Turnier bestritten. "Das ist härter als bei den Nationalspielern", beschreibt er die Belastung für die "Multi-Kulti-Truppe" der Schiedsrichter bei der WM. Die zu Beginn 48 Schiri-Kandidaten standen unter ständiger Beobachtung, psychologische Tests mussten absolviert werden, englische Regelabfragen, medizinische Checks - "über Kleinkram wie einen Laktat-Test regen wir uns schon lange nicht mehr auf", umschreibt Merk den "Riesen-Aufwand". Und in Richtung Nationalmannschaft schmunzelt er: "Bei uns gibt es keine trainingsfreien Tage, keinen Besuch der Spielerfrauen, kein Barbecue..." Entscheiden zu können, das empfindet Merk als Geschenk. Entschieden hat er in den vergangenen Jahren auch außerhalb des Sportplatzes einiges: Seine Zahnarztpraxis hat er aufgegeben, die Indienhilfe Kaiserslautern ins Leben gerufen, sein Vortragsprogramm (www.merk-es-dir.de) ausgebaut. Und ganz bestimmt hat er auch schon entschieden, ob mit der WM Schluss sein wird für ihn als Schiedsrichter. Verraten aber hat er es am Donnerstag nicht.

Dr. Markus Merk im Gespräch mit Schaumburger Sportvereinen (Bild
  • Dr. Markus Merk im Gespräch mit Schaumburger Sportvereinen (Bild rechts)...
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