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Familie renoviert das einzige denkmalgeschützte Haus im Bassenbrink - mit viel Liebe und Geduld

Bauen wie die Urahnen - und alle helfen mit

Rodenberg (bab). Mit viel Engagement kümmert sich der Rodenberger Olaf Kelbert um das letzte denkmalgeschützte Haus im Bassenbrink. Der 35-Jährige hat eine besondere Beziehung zu dem Fachwerkgebäude, in dem schon seine Großeltern lebten. Das im Jahr 1732 erbaute Haus mit der Nummer 38 zieht derzeit viele Blicke auf sich, denn seinInnenleben ist teilweise auch von der Straße aus sichtbar und offenbart die einfache aber kluge Bauweise, mit der frühere Generationen stabile, funktionale und langlebige Wohn- und Nutzräume geschaffen haben.

"Frauenarbeit": Sigrid Kelbert und Katja Dietrichkeit flechten g

Wer einen Blick ins Innere werfen darf, kann in etwa ermessen, was der als Beamter beim Finanzrechenzentrum in Hannover tätige Kelbert sich vorgenommen hat. Er nahm extra unbezahlten Sonderurlaub, um die Fristen einzuhalten, die an die EU-Förderung für die Fassadensanierung geknüpft sind. In der Frist, die er einhalten muss, besteht aber auch der einzige Zeitdruck, dem er sich unterwirft. Ansonsten sieht er der Fertigstellung seines Plans gelassen entgegen. "Mir war klar, dass ich das Haus nach und nach renovieren möchte. Wie lange das dauert, hat mich nie interessiert", sagt der 35-Jährige, der bereits seit Jahren an dem Haus werkelt. 1997 baute er den Anbau, einen ehemaligen Stall und eine Werkstatt, zum Wohnraum um. Kelbert lebt ansonsten zusammen mit seiner Freundin in Hannover. Seine Mutter, die sich während der Renovierung ausquartieren musste, trägt es mit Fassung. "Mein Sohn hat immer vieles selber gemacht, da entwickelt man Geduld", sagt Sigrid Kelbert. Glücklicherweise helfen Bekannte, Freunde und wichtige Kontakte. Mit so einem Kontakt begann auch das Projekt. "Ich hatte großes Glück, dass ich Manfred Röver von der Interessengemeinschaft Bauernhaus in Soldorf kennen gelernt habe", sagt Kelbert. Durch Seminare und Kurse erlernte er Techniken, um das nahezu 300 Jahre alte Haus in dem entsprechenden Baustil zu sanieren. Da ist zum Beispiel das Ausfüllen des Fachwerks. Die Balken müssen für das Weidengeflecht vorbereitet werden, dann wirft er das Lehm-Stroh-Gemisch regelrecht hinein. Das Gemisch, das eine spezielle Konsistenz braucht, um es gut verarbeiten zu können, "recycelte" er sozusagen selber. Er weichte die alte, herausgebrochene Füllung in einer alten Badewanne ein. Die Interessengemeinschaft Bauernhaus habe ihm bei der Sanierung der alten Schule in Soldorf die Lehmtechnik beigebracht, sagt Kelbert. Der Vorteil bei alten Häusern sei, dass man im Prinzip viel selber machen kann. Die Weiden zu flechten, galt beispielsweise in früheren Jahrhunderten als Frauenarbeit. So konnte auch hier die ganze Familie mithelfen. Mutter, Freundin und deren Vater bogen eine Woche lang die Weiden zwischen die Balken. Während die Verkleidung der Ost- und der Westseite des Hauses aus Lehm-Stroh-Gemisch besteht, wird die Giebelfassade im Norden mit Backsteinen gefüllt. Das Mauern hat Kelbert nicht selber übernommen, sondern lieber einer Fachfirma überlassen. Um auch dabei stilgerecht zu bleiben, besorgte er sich Steine aus einem Abbruch in Auhagen, die aus dem Jahr 1890 stammen. Von 15 Paletten Backsteinen klopfte er zusammen mit Freunden eine Woche lang den Mörtel ab, um sie verwenden zu können. "Ich bin immer auf der Suche nach alten Materialien", sagt der Hobby-Handwerker. Selbstüber die Internet-Börse gelangte er an altes Eichenholz aus Springe. "Alles, was gut ist, wollen wir erhalten", meint Kelbert, der in der Substanz weniger böse Überraschungen entdeckte als erwartet. Einige Probleme gab es auf der Wetterseite im Westen. Zwei Wohnungen sollen einmal in dem historischen Haus entstehen, ohne Zeitplan, wie der Bauherr wieder betont. "Das ist der Vorteil bei alten Häusern, man kann immer gerade so viel machen, dass dafür das Geld reicht", sagt er. Seine Großeltern seien arme Leute gewesen und hätten auch mit ihren bescheidenen Mitteln versucht, das Haus zu erhalten. Es ist offensichtlich, dass Kelbert mit dem Gebäude so intensiv verbunden ist, weil es zuseiner Familientradition gehört. "Kaufen würde ich mir so ein Haus nicht - und dann noch Geld und Initiative reinstecken", gibt er zu, "es ist aber etwas Besonderes, dass es hier schon so lange steht und meine Familie damit verwurzelt ist." Kelbert bedauert nur, dass nicht alle den Einsatz für solch geschichtsträchtige Bauten aufbringen können. "Schade, dass dieses Haus das letzte denkmalgeschützte Haus im Bassenbrink ist."

Der Vater der Freundin hilft ordentlich mit: Rolf Dietrichkeit g
  • Der Vater der Freundin hilft ordentlich mit: Rolf Dietrichkeit gibt sich beim Flechten der Weidenruten viel Mühe. Fotos: bab (2), pr.
Auch im Inneren des Hauses gibt es für Olaf Kelbert noch genug z
  • Auch im Inneren des Hauses gibt es für Olaf Kelbert noch genug zu tun. Zwei Wohnungen sollen in dem Fachwerkhaus von 1732 entstehen.
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