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Unternehmer will von dem Geld nichts gesehen haben / Ermittlungen dauern an

Bauamt: Ging alles nur in eine Kasse?

Bad Nenndorf (rwe). War der Mitarbeiter aus dem Nenndorfer Bauamt, gegen den die Staatsanwaltschaft unter anderem wegen Korruption ermittelt, doch allein auf eigene Rechnung unterwegs? Der Bauunternehmer, der bisher als Komplize galt, sieht sich selber als Opfer. Er will von dem Geld, das der Angestellte bei den Hausbesitzern kassierte, nichts gesehen haben.

Er ist vorerst auf freiem Fuß, doch die Ermittlungen gegen den ehemaligen Angestellten aus dem Nenndorfer Tiefbauamt laufen weiter. Gemeinschaftliche Erpressung, Bestechlichkeit und Untreue in einem besonders schweren Fall lauten die Vorwürfe. 20 Fälle in der Zeit von 2001 bis 2005 hat der Mann bisher eingeräumt. Betroffen davon sind insgesamt zwölf Hauseigentümer. Acht von ihnen hatten sich auf einen Deal mit dem Mitarbeiter eingelassen und sich für Bargeld von ihm unter der Hand einen Hausanschluss legen lassen. Vier widerstanden dem Angebot, zu dem sie dem Vernehmen nach bedrängt worden sein sollen. Eine Eigentümerin erstattete später Anzeige (wir berichteten mehrfach). Zwischen 3000 und 8000 Euro soll der Bauamtsmitarbeiter für seine Dienste kassiert haben. Wonach sich die Summe richtete, darauf kann die Staatsanwaltschaft Hannover noch keine Antwort geben. Offen ist auch noch, ob er das Geld einsteckte oder weiterreichte. Der Angestellte verweist auf den Bauunternehmer, der die Anschlüsse für ihn legte und gegen den ebenfalls ermittelt wird. Der Firmenchef räumt ein, die Anschlüsse gelegt zu haben. Von dem Erlös sei aber nichts bei ihm angekommen, so seine Aussage. Vielmehr habe er die Jobs erfüllt, um weiter Aufträge für die Kanalreinigung in der Samtgemeinde zu erhalten. Die Vergabe dieser Arbeiten lag ebenfalls in den Händen des beschuldigten Mitarbeiters aus dem Rathaus. So gesehen, wäre der Unternehmer Täter und Opfer in einem. So wie auch die acht Grundstückbesitzer, die gezahlt und sich nach der Festnahme des Bediensteten bei der Polizei gemeldet hatten. Die Verfahren gegen sie sollen gegen eine Geldauflage eingestellt werden. "Das haben wir mit den Anwälten größtenteils vorab diskutiert", sagt Jürgen Lendeckel, Sprecher der Staatsanwaltschaft. Zudem dürfte die Samtgemeinde noch auf einige der geständigen Bauherren zukommen und nachträglich um die Erschließungsgebühr für den Kanal bitten. "Wir haben aber noch keine Unterlagen", sagt Samtgemeindebürgermeister Wilfried Battermann. Bisher sei ihm nur das Haftprüfungsprotokoll bekannt, in dem der ehemalige Angestellte die Vorwürfe einräumt. Auch er müsse das Verfahren von außen beobachten und warten, bis die Staatsanwaltschaft ihm die Ermittlungsakten zur Verfügung stellt. "Wir wollen die Fälle dann genau aufarbeiten", betont der Samtgemeindebürgermeister. Wenn das geschehen ist, gehen den beteiligten Hausbesitzern nachträglich die Beitragsbescheide für den Hausanschluss zu. Battermann: "Die meisten wissen das aber schon." Zum Thema

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