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Partei-Bonus schlägt Promi-Bonus

Bartels ist der Favorit

Man musste kein Prophet sein, um vorherzusagen, dass der Vierkampf um das Landratsamt am Ende auf ein Duell hinauslaufen würde. Überraschend ist schon eher, dass Bartels den Zweikampf gegen Schünemann so deutlich für sich entscheiden konnte – immerhin fuhr dem SPD-Mann ein grüner Vize-Landrat als Gegenkandidat in die Parade, den manche sogar auf Schlagdistanz gesehen haben. Und der paradoxerweise mit der Mission in den Ring geschickt wurde, den Ex-Innenminister zu verhindern – tatsächlich hat er ihn im Rennen gehalten. Denn sicher sein kann sich Bartels seines Sieges noch nicht. Fest steht seit gestern nur: Er geht als Favorit in den Showdown der Stichwahl.

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Autor:

von frank werner

Wer den Landratswahlkampf auf eine einfache Formel bringen wollte, räsonierte in den vergangenen Wochen darüber, ob das Parteibuch oder die Prominenz den Ausschlag geben würde. Auf der einen Seite stand der unbekannte SPD-Bürgermeister, der im roten Wahlkreis aber auf einen strukturellen Vorteil setzen konnte und sich noch dazu als legitimer Nachfolger Rüdiger Buttes in Stellung brachte – was manchem als wahltaktische Vereinnahmung des Gedenkens schal aufgestoßen ist.

Auf der anderen Seite stand Uwe Schünemann, der Ex-Minister, der Sätze druckreif formuliert und sich im Straßenwahlkampf nicht vorstellen muss. „Wenn nicht er, wer dann?“, kokettierte Schünemann mit seiner politischen Gewichtsklasse.

Partei-Bonus gegen Promi-Bonus.

Doch ganz so schwarz-weiß lässt sich das Duell in der Rückschau nicht mehr zeichnen. Zum einen hat Bartels mehr als nur den richtigen Stallgeruch verbreitet, der Sozialdemokrat hat Qualitäten als Wahlkämpfer offenbart und sich neben der eher staatsmännischen Pose Schünemanns als kommunaler Praktiker profiliert.

Zum anderen strahlt Schünemanns Stern nicht ungebrochen. Seine Prominenz ist nicht zu verwechseln mit ungeteilter Popularität. Der Ex-Innenminister musste erfahren, wie sein Hardliner-Image auch auf der lokalen Bühne nachglüht, und wie sehr es polarisiert. Seine Anhänger feiern ihn, seine Gegner verteufeln ihn – zu Schünemann hat fast jeder eine Meinung, und fast immer eine eindeutige.

Befürchtungen, die Emotionen könnten überkochen und die selbst auferlegte Verpflichtung zum Maßhalten torpedieren, haben sich nicht bewahrheitet. Im Gegenteil, in den Kernfragen der Kreispolitik hätte man sich mehr handfeste Kontroversen statt abstrakte Konzeptpredigten, mehr greifbare Unterschiede statt kollektive Zukunftsschwüre gewünscht.

Was auch daran liegt, dass mit Torsten Schulte kein echtes Kontrastprogramm zur Wahl stand, sondern ein Kandidat aus der Wirtschaft, der eher für die Verbürgerlichung der Grünen steht. Schulte bewegte sich auf Augenhöhe mit Bartels und Schünemann, hat Sympathiepunkte gesammelt, die nicht für das Ende aller politischen Ambitionen sprechen. Letztlich fehlte es ihm aber an Bekanntheit – und am nötigen Rückenwind. Der Bundestrend der Grünen wirkte so beflügelnd wie Blei an den Füßen.

Für Schünemann und Bartels ist der Wahlabend gestern nicht mehr als ein Boxenstopp. In zwei Wochen werden die Karten neu gemischt. Rein arithmetisch läge Bartels bei Addition der grünen Stimmen komfortabel in Führung. Aber am Rechenschieber wird die Wahl nicht entschieden. Ohne den Sog der Bundestagswahl wird die Beteiligung spürbar sinken, entscheidend wird dann, wer seine Klientel überhaupt an die Urne bewegt. Die Stichwahl gewinnt, wer am besten mobilisiert.

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