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Ein Fall von Datenklau: "Hier werden Träume wahr" / Rintelner Senior lässt sich nicht ausplündern

Bankeinzug: Einladung für Trickbetrüger?

Rinteln (ur). Mit Verwunderung hören oder lesen wir nahezu täglich über neue Fälle von millionenfachem Datenklau. Weniger häufig erfährt man etwas darüber, für welche kriminellen Machenschaften Kontonummern, Internetverbindungen oder Geburtsdaten und Anschriften tatsächlich missbraucht werden.

Werner Maus

Ein besonders dreistes Gaunerstück leistete sich jetzt ein Unternehmen aus Berlin, das ohne Angabe irgendeiner Rechtsform als "Die Gewinnquelle - hier werden Träume wahr" firmiert. Ein Herr Ugur Gördesligil vom "Serviceteam" kündigt sein Betrugsmanöver dieser Tage dem 87-jährigen Rintelner Werner Maus sogar persönlich an.Man freue sich, künftig "wie vereinbart" für ihn tätig zu werden und in seinem Namen Beteiligungen an Hunderten von Gewinnspielen zu realisieren: "Mit wertvollen Preisen wie Autos, Reisen, Häuser, Bargeld - Sie können sich zurücklehnen." Für diesen Service werde man "monatlich 49 Euro vom angegebenen Konto bei der Sparkasse abbuchen" - und er habe dabei "absolute Transparenz", könne er doch jederzeit über die Homepage "www.diegewinnquelle.de" nachvollziehen, wann er wo, wie und was gewonnen habe. Natürlich hat Herr Maus nie eine Vereinbarung dieser Art getroffen und auch mit der Preisgabe seiner persönlichen Daten ist der gebürtige Berliner ausgesprochen zurückhaltend. So müssen die Leute vom dubiosen "Service-Team" sich diese auf anderem Weg beschafft haben - und der Gedanke an die Nutzung geklauter Daten drängt sich deshalb geradezu auf. Maus wandte sich sofort an sein kontenführendes Geldinstitut, doch da wurde ihm die aktuelle Rechtslage klar gemacht, die in der Tat wie eine Einladung für Kriminelle wirkt: Man könne die Abbuchung bei Einzugsgenehmigung nicht verhindern - allerdings dürfe der Kunde auf einer Rückbuchung des Betrages bestehen, wenn er sich betrogenfühlt. Sparkassenvorstand Günther Klußmeyer räumt ein, dass sein Institut derlei Missbrauch nach geltendem Recht nicht verhindern kann: "Wir kontrollieren ja nicht die einzelne Vollmacht, sondern lassen uns vom Einreicher nur versichern, dass so eine Bestätigung vorliegt." Man übernehme allerdings auch das Risiko, fallsbei dem Einreicher nichts mehr zu holen ist oder die Kontoverbindung bereits aufgelöst wurde. "Wenn nachweislich Betrug im Spiel ist, muss die Rückbuchung auch nicht innerhalb der gesetzten Frist eingefordert werden - das erledigen wir dann auch noch später im Rahmen der Kulanz." Um ein Haar hätte Herr Maus übrigens die zeitnahe Möglichkeit verpasst, auf das missbräuchliche Anzapfen seines Kontos einzuwirken, startet der rüstige Senior doch dieser Tage eine mehrwöchige Reise zum Südpol. Und ob er dann nach der Heimkehr diesen vergleichsweise kleinen Posten unter seinen Bankunterlagen entdeckt hätte, um noch in der üblichen Frist eine Rückbuchung vornehmen zu können, sei mal dahingestellt. Klußmeyer jedenfalls sieht in diesem Vorfall den erneuten Anlass, an die Kunden zu appellieren, ihre Bankunterlagen regelmäßig auf Ungereimtheiten zu untersuchen: "Und wenn jemand nicht weiß, auf was sich eine bestimmte Abbuchung bezieht, stehen wir unseren Kunden bei der Überprüfung des Vorgangs jederzeit gerne zur Seite."

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