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Biologische Methode einmalig im Landkreis / Wasserverband investiert in Bernsen 650 000 Euro

Bald kümmert sich Schilf um den Klärschlamm

Bernsen (la). Die stolze Summe von 650 000 Euro will der Wasserverband Nordschaumburg in die Kläranlage Auetal in Bernsen investieren: Hier soll in den nächsten Monaten eine Klärschlammvererdungsanlage entstehen. Bei dieser Methode wird der bei der Aufbereitung des Abwassers entstehende Klärschlamm auf mit Schilf bepflanzte Beete geleitet. Die Schilfpflanzen entwässern den Schlamm auf biologische Weise; im Verlauf mehrerer Jahre entsteht so Erde, die Humusprodukten ähnelt. Baubeginn für die Anlage ist voraussichtlich noch im Frühjahr.

Die Vorarbeiten laufen bereits: Roland Walter vom Katasteramt ve

Rund 300 000 Kubikmeter Abwasser aus 7000 Haushalten werden in der Kläranlage Auetal aufbereitet. Der bei der Abwasserreinigung anfallende Klärschlamm wird derzeit auf etwa sechs Prozent reduziert und als eingedickter Nassschlamm landwirtschaftlich verwertet. "Die Ausbringung von Klärschlamm in der Landwirtschaft wird allerdings kontrovers diskutiert, wodurch die Akzeptanz bei den Landwirten nachlässt", weiß Werner Volker, Geschäftsführer des Wasserverbandes Nordschaumburg. Weder Kostenstabilität noch Verwertungssicherheit seien über einen längeren Zeitraum gewährleistet. Daher habe der Wasserverband neue Wege für die Entwässerung, Behandlung und Verwertung von Klärschlamm auf Gangbarkeit und Wirtschaftlichkeit untersucht. "Auf der Grundlage dieser Prüfung beabsichtigt der Wasserverband, die Entwässerung und Behandlung des Klärschlamms in einer Klärschlammvererdungsanlage zu realisieren", so Volker. Mit dem Bau dieser Anlage wird erstmals im Landkreis Schaumburg ein neuer Verwertungsweg für Klärschlamm beschritten. "Mit Gesamtinvestitionskosten von rund 650 000 Euro wird einökologisch sinnvolles und für die Zukunft richtungsweisendes Projekt realisiert", so Volker. Die Klärschlammvererdungsanlage wird vom Wasserverband Nordschaumburg betrieben, der einen Wartungsvertrag mit der Eko-Plant GmbH aus Neu-Eichenberg abschließt. "Die Firma hat bundesweit Erfahrungen auf diesem Gebiet. Unter anderem werden auf mehreren ostfriesischen Inseln ähnliche Klärschlammvererdungsanlagen mit Erfolg betrieben", berichtet Volker. Eine Vorabstimmung zur Genehmigungsplanung zwischen dem Wasserverband Nordschaumburg und dem Landkreis Schaumburg erfolgte im Juli 2006. Beantragt wurde der Bau einer Klärschlammvererdungsanlage zur Entwässerung und Vererdung des Klärschlamms auf einer 10 000 Quadratmeter großen Fläche neben dem Klärwerk. Nach Auskunft der Unteren Wasserbehörde des Landkreises Schaumburg wird die Genehmigung in der zweiten Märzhälfte in Aussicht gestellt. Zurzeit wird das Gelände von Mitarbeitern des Katasteramtes vermessen. Der erste Spatenstich ist für das Frühjahr vorgesehen. Nach Inbetriebnahme der Klärschlammvererdungsanlage wird das Projekt der interessierten Öffentlichkeit im Rahmen eines Tages der offenen Tür vorgestellt. Die Klärschlammaufbereitung in schilfbepflanzten Schlammvererdungsbeeten ist vom Grundkonzept aus den konventionellen Schlammtrocknungsbeeten abgeleitet. Diese haben im Vergleich zu neueren technischen Verfahren aber eine relativ geringe Entwässerungsleistung. Bei dem neuen System wird ein Pflanzensubstrat auf einen Drainagekörper aufgebracht. In dieses Substrat werden die Schilfrohrpflanzen (Phragmites australis) gesetzt. Nach dem Anwachsen der jungen Schilfpflanzen erfolgt dann die Beschickung mit Klärschlamm. Der Feststoff des Klärschlamms bleibt in den Vererdungsbeeten, während das Schlammwasser durch das Beet sickert und über ein am Boden verlegtes Drainagesystem abgezogen wird. In Bernsen soll ein Teil dieses Wassers in die Aue geleitet werden. Der Naturschutzbund wünscht sich, dass mit diesem Wasser der seit langemtrockene Mühlengraben, der direkt an dem Gelände entlangführt, wieder vernässt wird. "So könnte der Mühlengraben neu belebt werden", schlägt der Vorsitzende des Nabu, Rolf Wittmann, vor, der das Projekt positiv sieht. Im Anschluss an die mehrjährige Beschickungsphase beginnt eine in der Regel einjährige Trocknungs- und Vererdungsphase. Das Material wird getrocknet und gleichzeitig setzt eine verstärkte Mineralisationsphase ein, in der organisches Material veratmet wird. Das Endprodukt ist eine erdige Substanz, die in den natürlichen Stoffkreislauf zurückgeführt werden kann. Die immer knapper werdende Deponiefläche für die Beseitigung nicht verwertbarer Stoffe wird außerdem entlastet.

So soll es in einigen Jahren auf dem Gelände neben dem Klärwerk
  • So soll es in einigen Jahren auf dem Gelände neben dem Klärwerk aussehen.
In der Kläranlage werden pro Jahr rund 300 000 Kubikmeter Abwass
  • In der Kläranlage werden pro Jahr rund 300 000 Kubikmeter Abwasser aufbereitet.
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