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Spurensucher dokumentieren Eigenarten und Schönheiten / Posterserie der Schaumburger Landschaft

"Bäume sind wie Geschichtsbücher zu lesen"

Bückeburg (bus). Die Gruppe "Spurensuche" der Schaumburger Landschaft hat zwei weitere Exemplare ihrer Posterserie aufgelegt. Die aktuelle Veröffentlichung hat historische Bäume und Wegestrecken im Schaumburger Land zum Thema.

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"In dieser Sammlung tragen ehrenamtlich engagierte Mitbürger das Wissen um wertvolle Zeugnisse der Kultur und der historischen Landnutzung zusammen", gab Gruppenleiter Dr. Karl-Heinz Oelkers während der offiziellen Präsentation zu verstehen. Das Projekt zeige die Vielfalt landschaftlicher Besonderheiten auf, die zur Eigenart und Schönheit der heimischen Region beitrügen. "Bäume sind wie Geschichtsbücher zu lesen, in denen das Wirken der Menschen verzeichnet steht", sagt Dr. Friederike Kästning, unter deren Federführung das Baumposter entstand. Die 19 beispielhaft ausgewählten Exemplare stellten lebendige Zeugnisse schaumburger Geschichte dar. Kästning: "Sie berichten über alltägliche Geschehnisse und denkwürdige Ereignisse, über Siedlungen, Waldwirtschaft, Bergbau, Gerichtsbarkeit, Grenzmarkierung und Geselligkeit unserer Heimat." Die Zusammenstellung reicht von der Süntelbuchengruppe im Kurpark Bad Nenndorf über einen bewaldeten Kummerhaufen bei Südhorsten sowie den Tanz- und Rastbaum des früheren Bad Stehbrink bis zu einer Obstbaumwiese der Domäne Koverden. "Die Geschichte eines Baumes", erklärte die Expertin, "ist verwoben mit der Geschichte der Menschen, die ihn pflanzten, die ihn nutzten, die mit ihm lebten, die ihm symbolische Kraft verliehen haben." Dieses enge materielle und geistige Beziehungsgeflecht bestehe seit Anbeginn der Menschheit. Zeitlich etwas weniger weit zurück greifen die von Dr. Roswitha Sommer vorgestellten Wegestrecken. Allerdings: Für das Gebiet des Landkreises ist eine bis in das fünfte vorchristliche Jahrtausend zurückreichende Siedlungskontinuität bezeugt. Die von den Ur-Siedlern genommenen Wege sind zwar nicht mehr ermittelbar, aber zahlreiche Hohlwege, Furten und Treidelpfade geben Auskunftüber vergangene Bewegungsmuster. Als älteste, in Teilen überlieferte Verbindung führte Sommer den Helweg an, die vom Rhein bis zur Elbe führende Heer- und Handelsstraße. Sie querte bei Minden die Weser und erreichte die schaumburgische Grenze unterhalb von Röcke, wo noch heute eine alte Zollstation (Klus) zu finden ist. Der weitere Verlauf ist strittig. Als unstrittig gilt unterdessen, dass von der bei Evesen gelegenen Burg Hus Aren aus im 13. Jahrhundert die Straßen beherrscht wurden, die das Bistum Minden mit dessen östlichen Besitzungen (Villikation Garbsen) verbanden. In Bad Nenndorf und Horsten sind Teile des Helwegs erhalten. Weitere von Sommer behandelte Aspekte beschäftigen sich anhand von 28 Beispielen mit Fähren und Fuhrten, Kirch- und Totenwegen, Allen, Promenaden und Chausseen. Den in den Tourist-Informationen Schaumburgs zum Preis von 4,50 Euro erhältlichen Postern sind Blätter mit umfangreichen Informationen beigelegt. Für die Baumübersicht gibt es eine Landkarte mit den Standorten der abgebildeten Exemplare. Weitere Details bieten die "Spurensucher" im Internet unter der Adresse www.schaumburgerlandschaft.de/spurensuche. Oelkers kündigte an, dass die Reihe mit einer Zusammenstellung zum Thema Begräbniskultur im Schaumburger Land fortgesetzt werden soll.

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