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Bad Münder soll ein Repair-Café bekommen

BAD MÜNDER. Schon länger gibt es sie in Großstädten, inzwischen in Hameln und Hemmingen und vielleicht bald auch in Bad Münder: Repair-Cafés. Dort kann man kaputte Haushalts- oder Elektronikgeräte gemeinsam mit Technikern reparieren. Ein Ort, an dem Ressourcen und Geld gespart werden sollen.

Defekt, aber noch nicht schrottreif: In einem Repair-Café soll alte Elektronik, Haushaltsgeräte oder andere Gegenstände repariert werden - als Gemeinschaftsprojekt. Foto: Dittrich .
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Benedikt Dittrich Redakteur zur Autorenseite

Besonders wichtig ist Initiator Bernd Pinkernell die politische Idee dahinter: „Der Ansatz richtet sich gegen die Wegwerf-Mentalität in unserer Gesellschaft.“ Statt einen defekten Toaster zu entsorgen und sofort ein neues Gerät zu kaufen, soll mit kleinen Reparaturen die Lebensdauer der betagten Geräte verlängert werden. „Dafür suchen wir Techniker“, erklärt Pinkernell, der sich der Idee auf Initiative von Herrmann Wessling angenommen hatte. Die Erfahrungen in anderen Cafés zeige, dass oft Menschen mit einem Händchen für Elektronik, aber auch Handwerker und sogar Schneider gesucht werden.

Auch als Integrationsprojekt kann ein Repair-Café dienen, wie Pinkernell verdeutlicht: Gerade Menschen, die sich neue Geräte nicht leisten können, suchen womöglich den Treff auf, um ihren Altgeräten neues Leben einzuhauchen. An der Werkbank kommen Helfer und Hilfesuchende zusammen.

„Das ist kein Dienstleistungsbetrieb“, betont Pinkernell. Es gehe darum, kleine Dinge herzurichten. Ein durchgeschmortes Kabel wieder zusammenlöten, gebrochene Plastik- oder Holzstücke ersetzen oder einen wackeligen Stecker wieder festschrauben. „Repariert wird gemeinsam mit demjenigen, der das Gerät bringt.“ Ist der Schaden zu groß, wird an einen Fachbetrieb verwiesen. „Defekte Fernseher werden da nicht repariert – das Café soll kein Konkurrenzbetrieb sein“, erklärt Pinkernell.

Bei dem Netzwerktreffen der Vereine fiel die Idee, die Wessling auf die Tagesordnung gesetzt hatte, auf fruchtbaren Boden. Hans-Werner Beisner vom Kur- und Verkehrsverein empfahl Handwerker, die bereits in Rente sind, als erste Tüftler: „Da gibt es doch sicher welche, die eine Aufgabe suchen.“ Auch unter den Flüchtlingen würden sich sicherlich begabte Handwerker finden.

Derzeit sind Pinkernell und Wessling noch auf der Suche nach Räumlichkeiten, die für das Reparatur-Café in Frage kommen. Benötigt werden ein paar Tische, später vielleicht auch Platz für Werkzeug und andere Gegenstände. Das Konzept sieht vor, dass in dem Café Reparatur-Inseln eingerichtet werden – je nachdem, welche Art von Gerät oder Gegenstand kaputt ist und welche Experten in dem Café dann zusammen mit dem Besitzer daran arbeiten. Als Dauereinrichtung sei ein Repair-Café aber nicht zu verstehen, erklärt Pinkernell: „Es geht um ein Treffen alle paar Monate – je nach Bedarf.“

Wessling befindet sich nach eigener Aussage bereits in Gesprächen und ist optimistisch, dass sich in den nächsten Tagen Räume für das Repair-Café finden. Spätestens, wenn sich eine Gruppe aus Handwerkern und Technikern gefunden hat, die das erste Treffen im Repair-Café veranstalten wollen, soll es einen festen Treffpunkt geben.
Wer als Techniker oder Handwerker beim Repair-Café mitmachen will, kann sich bei Bernd Pinkernell unter Tel.: 05042/9877161 melden.

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