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Ausdrucksstark und ohne Worte

Von Ernst August Wolf

Hameln. Ja, wie abgefahren war denn dieser Theaterabend? Da sperrte man Mund und Nase auf und erlebte mit kindlicher Begeisterung die Urgewalt der Verwandlung, die Zauberkraft des Spiels von Masken und Körpern, da wurde man schier überrumpelt von der unwiderstehlichen Magie des Bühnengeschehens. 

Theater- und Maskenzauber pur mit "Hotel Paradiso"

Von Ernst August Wolf

Hameln. Ja, wie abgefahren war denn dieser Theaterabend? Da sperrte man Mund und Nase auf und erlebte mit kindlicher Begeisterung die Urgewalt der Verwandlung, die Zauberkraft des Spiels von Masken und Körpern, da wurde man schier überrumpelt von der unwiderstehlichen Magie des Bühnengeschehens.  Obgleich einem glatt die Worte fehlen, gilt es doch ein wortloses Geschehen in eben solche zu fassen. Fiel doch kein Satz an diesem Abend im „Hotel Paradiso“ der „Familie Flöz“, doch wurde mit dieser Form der Sprachlosigkeit mehr gesagt, als in so manch mono- und dialogschwangerem Sprechstück. Ein Theaterabend, anrührend ausdrucksstark, wenngleich absolut wortlos.
 Wo aber liegt das Geheimnis dieser elementaren Ausdruckskraft? In der Handlung? Die ist abgründig, skurril, voll herrlich bösem schwarzen Humor und lyrisch-zarter, melancholischer Liebe. Der kleine alpenländische Familienbetrieb gerät in den Strudel bitterböser Ereignisse, verliert alle vier Sterne, die Seniorchefin überlebt´s nicht; Abgründe tun sich auf, Leichen häufen sich im Foyer, und der Koch verwurstet nicht nur Schweinehälften.
 Oder sind die Masken das Geheimnis dieses Theaterzaubers? Die sind so genial wie unveränderlich, doch ständig glaubt der Betrachter ein Mienenspiel wahrzunehmen, so sehr bringt das ausdrucksstarke Körperspiel der Akteure die Masken zum Reden, verleiht beides den Personen eigenen Charakter.
 Oder sind es die mit großer Perfektion choreografierten Slapstick-Szenen? In denen sitzt jede Bewegung, wirkt selbst im turbulentesten Geschehen nichts überdreht oder klamaukig, gelingt der Wechsel von Hektik zu Stille.
 Oder sind es die vielen liebevollen Kleinigkeiten am Rande, an denen man sich nicht sattsehen kann? Der mit dem Klebeband kämpfende Polizist – Chaplin hätte das nicht besser gekonnt –, der Koch, der seinem Teddy bei der Liebesszene die Augen zuhält. Unendlich viel gibt es auf dieser Bühne, in diesem Spiel zu entdecken. Wortlos drängen sich die Charaktere ins angerührte Zuschauerherz und erzeugen Sprachlosigkeit und Faszination. Das war Theaterzauber pur, belohnt mit donnerndem Applaus und Bravo-Rufen der leider viel zu wenigen Zuschauer. Ein Abend, der deutlich gemacht hat, was Theater alles zu leisten vermag, auch ohne Worte.

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