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Drei Jahre Haft für zwei Heroin-Dealer

Aus Bruderliebe Süchtige mit Drogen versorgt

Bückeburg (ly). Motiv: Bruderliebe. Weil eine Bückeburgerin ihrem schwer verwundeten Bruder, der als Kriegsopfer in Tschetschenien lebt, eine Operation ermöglichen wollte, ist die 43-Jährige zur Drogenhändlerin geworden. Zusammen mit einem Asylbewerber (36), ebenfalls aus dem Kaukasus, verkaufte die Frau mehr als zwei Jahre lang Heroin, manchmal auch Kokain.

Unterm Strich gingen in diesem Zeitraum rund 650 Gramm "Stoff" an die einzige Abnehmerin, eine Süchtige aus Minden. In Bückeburg wurden die Drogen unter anderem am Bahnhof übergeben, in Minden am ZOB, an der Glacisbrücke und auf Kanzlers Weide. Gestern hat das Bückeburger Landgericht beide Rauschgifthändler zu drei Jahren Haft verurteilt. In 14 Fällen hatte das Duo jeweils etwa 50 Gramm Drogen beschafft und anschließend nahezu täglich kleinere Portionen "an die Frau gebracht", so Richter Börries Freiherr von Hammerstein, Vorsitzender der 1. Großen Strafkammer. Staatsanwalt Frank Hirt bezifferte den Umsatz mit "deutlich mehr als 30 000 Euro" und erklärte: "Über Jahre hinweg wurde die Abhängigkeit einer Süchtigen ausgenutzt, um daraus Profit zu schlagen." Zumindest das Tatmotiv der Frau, die in ihrer Heimat eine Ausbildung zur Tierärztin absolviert hat, mag menschlich erscheinen. Andererseits: "Es geht natürlich nicht, dem eigenen Bruder helfen zu wollen, dadurch aber andere in den Ruin zu treiben", betonte von Hammerstein und fügte an die Adresse der Angeklagten hinzu: "Als Ärztin wissen sie ganz genau, dass Heroin einen Körper zerstört." Beide Bückeburger Drogenhändler, die bis zum Prozess ein halbes Jahr in Untersuchungshaft gesessen hatten, wirkten während der Verhandlung zerknirscht und starrten fast ununterbrochen zu Boden. Wiederholt flossen bei der Frau Tränen. "Das war der größte Fehler meines Lebens", sagte die 43-Jährige in ihrem Schlusswort. Das Urteil war keineÜberraschung mehr. In einem vorausgegangenen Rechtsgespräch hatten sich Kammer, Staatsanwaltschaft und Verteidigung auf eine Strafe verständigt, die drei Jahre nicht übersteigt. Im Gegenzug legten die bisher nicht vorbestraften Dealer Geständnisse ab, wodurch dem Gericht eine womöglich langwierige Beweisaufnahme erspart blieb. Der Haftbefehl gegen die Frau wurde mit dem Urteil aufgehoben, weil das Gericht insbesondere keine Fluchtgefahr sieht. Die 43-Jährige muss jedoch zu einem späteren Zeitpunkt ins Gefängnis. Dem Mann droht nach Verbüßung eines Teils der Haftstrafe die Abschiebung.

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