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Das Remontieren von Stauden erwirkt eine zweite Blütenphase

Auferstanden aus den Beeten

Der Rittersporn (Delphinium) steht wieder in Blüte. Auch die Akelei (Aquilegia) hat es erneut weit gebracht. Die Katzenminze (Nepeta) ist ein Paradebeispiel für wiederauferstandenes Blütenglück in den Beeten und Rabatten, auch das Mutterkraut (Tanacethum parthenium) und viele Stauden und Kräuter mehr. Gleichwohl mit dem September der Herbst Einzug gehalten hat, so hat sich doch während des Spätsommers eine Leichtigkeit in den Garten geschlichen, die unwiderstehlich wirkt. Das ist kein Zauberwerk, aber von ganz alleine würden Stauden während einer Vegetationsperiode ein zweites Mal nicht ausschlagen. Deshalb galt, im späten Juli oder den ersten Augusttagen mit scharfer Klinge einen Schnitt zu machen – nur auf diese Weise erfolgt ein kompletter Neuaustrieb. Das nennt man gärtnerische Konsequenz.

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Autor:

Jean LeGrand

Und fachsprachlich nennt man es „Remontieren“. Die Angst der Unentschlossenen ist also unbegründet, mehr noch: Ein korrekter Schnitt führt auch zu mehr Vitalität vieler Stauden und Kräuter. Das Ergebnis: zwei Blütenschübe innerhalb eines Sommers. Was kann sich der Gärtner mehr wünschen?

Nicht alle Stauden sind dazu in der Lage; Rudbeckia-Sonnenhüte, Flammenblume (Phlox paniculata), Prachtscharte und viele mehr dürfen nur ausgelichtet werden. Aber die Liste derer, die nach einem Totalrückschnitt zu remontieren in der Lage sind, ist groß. Neben den bereits genannten Arten gehören auch dazu: Frauenmantel (Alchemilla mollis), Schafgarbe (Achillea), Bunte Margerite (Chrysanthemum coccineum), Kugeldistel (Echinops ritro), Lupine (Lupinus), Ziersalbei (Salvia nemorosa). Totalrückschnitt bedeutet, hanbreit über dem Boden nach der ersten Blüte zu schneiden; schon nach wenigen Tagen wird neuer Austrieb sichtbar.

Mit Kräutern genau so zu verfahren, ist ebenso gut. Minze (Mentha) und Zitronenmelisse (Melissa officinalis) stehen als wahrhaft schnelle Remontagepflanzen als beste Beispiele. Vorteil: Die im Laufe der ersten Sommerhälfte gewachsenen Blätter, schon leicht trocken oder ledrig, haben an Aroma eingebüßt. Man schneidet also die Kräuter knapp über dem Boden ab, zwingt sie auf diese Weise zu neuem Austrieb. Die zarten, lindgrünen Blätter haben wieder mehr Aroma – Tees schmecken besser, Salate können schmackhafter abgerundet werden.

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Allein der Mut ist entscheidend, die Klinge auch ansetzen zu wollen. Grundsätzlich kann man nichts kaputtschneiden – im Sommer schon mal gar nicht. Eher schon in den später Herbsttagen. Will heißen, dann auf den Rückschnitt zu verzichten. Das macht Sinn, weil ein später Rückschnitt die Winterhärte von Stauden und Kräutern zurücksetzen kann, weil sie zu einem Austrieb gezwungen werden in einer Zeit, in der es nachts schon eisig werden kann. Mit dem nächsten Rückschnitt ist also zu warten bis zum Frühling kommenden Jahres. Den Garten „winterfein“ zu machen, ist ohnehin falsch verstandene Ordnungsfreude.

Die Katzenminze (links) blüht nach dem Totalrückschnitt Anfang August bereits im September wieder! Enorm: Auch der Rittersporn (Mitte) hat sich ein zweites Mal in Schale geworfen. Neues, zartes, schmackhaftes Grün bringt nach dem sommerlichen Rückschnitt auch die Minze hervor (rechts).jlg

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