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Blick zurück - und nach vorn: Letzter Bericht des scheidenden Superintendenten zur Lage im Kirchenkreis

"Auf urchristliche Verhältnisse einstellen"

Obernkirchen/Landkreis (ur). Zum letzten Mal in seiner Amtszeit nahm der scheidende Superintendent Dr. Peter Neumann auf der jüngsten Sitzung des Kirchenkreistags in Obernkirchen die Gelegenheit wahr, seinen Bericht zur Lage im Kirchenkreis zu erstatten - wobei dieser naturgemäß nach fast 13-jährigem Wirken diesmal etwas grundsätzlicher und umfassender ausfiel.

Im Rückblick auf die letzten Monate benannte Dr. Neumann die Fusion der Kirchengemeinden Exten und Hohenrode als zukunftsweisenden Vorgang - wobei er sichtlich erfreut darüber war, dass man ihn als Festprediger zum ersten gemeinsamen Gottesdienst eingeladen hatte: "Schließlich hatten wir eine schwierige Anfangsphase miteinander. " Der Abzug von Pastor Mau von Hohenrode und seine Versetzung nach Deckbergen gehörte immerhin zu Neumanns ersten Amtshandlungen, und auch der Konflikt um den Verkauf des Gemeindehauses hatte manche Wunden hinterlassen Diese erste abgeschlossene Fusion von Kirchengemeinden habe deutlich gemacht: "Man kann so etwas schaffen. Es kann gelingen." - und sei damit zukunftsweisendüber diesen Einzelfall hinaus. Enttäuscht sei er über den Rückgang bei der Beteiligung an den Kirchenvorstandswahlen - umso wichtiger sei ihm, den Ehrenamtlichen für ihr Engagement zu danken. In Richtung auf seinen Amtsnachfolger Andreas Kühne-Glaser aus dem Kirchenkreis Hameln-Pyrmont richtete Neumann an die Anwesenden die Bitte: "Sagen Sie bitte nie zu ihm: Herr Neumann hat das aber so und so gemacht." Als ein Stück Zukunftsorientierung wertete Dr. Neumann die Verstärkung des professionellen Teams in der Jugendarbeit durch eine Stellenerweiterung für Jugendwartin Martina Brose und die neue Kreisjugendpastorin Dr. Heike Köhler, die das Amt von Pastor Gerd Brinkmann übernimmt, der künftig neben seiner Berufsschultätigkeit im Sprengel Calenberg-Hoya die Koordination von Schule und Kircheübernimmt. Im Blick auf die künftige Entwicklung der Kirche müsse man wohl noch mit einschneidenden Veränderungen und Mitgliederverlusten rechnen: "Keine Kinderzeugungskampagne und keine innerkirchliche Missionsstrategie wird daran etwas ändern!" Verschärft werde dieser Prozess durch die Entwicklung zur multireligiösen Gesellschaft. Dazu zitierte er den Theologen Burghard Krause mit der Position: "Wir müssen uns auf urchristliche Verhältnisse einstellen." Schließlich sei die erste Christenheit eine kleine Minderheit in einem heidnischen Umfeld gewesen. Zwar könne man dem demografischen Schrumpfungsprozess nichts entgegensetzen, aber man müsse sich dem Dialog und auch dem Wettbewerb mit anderen Religionen und Glaubensströmungen stellen: "Unsere Kirche bleibt attraktiv, wenn man ihr etwas von der Freude am Evangelium abspürt. " Anschließend mahnte Neumann zu konstruktiver innerkirchlicher Zusammenarbeit, zum verantwortungsbewussten Umgang mit den immer knapper werdenden Mitteln und erinnerte bei allen notwendigen Entscheidungen nachdrücklich an das Prinzip: "Das Wohl der Gemeinde geht vor das Wohl der Einzelperson." In seine persönliche Schlussbemerkung brachte er den Dank an Mitarbeiter, Gemeindevertreter, Ehrenamtliche und die eigene Familie für die stets geleistete Unterstützung ein, sicherte zu, den Gemeinden nach einer erholsamen Auszeit für bestimmte Aufgaben und Vorträge zur Verfügung zu stehen und schloss mitdem Segenswunsch: "Möge Gott Sie behüten und auch die Menschen, die Sie lieb haben." Eine amüsant-geistvolle Überraschung erwartete den Superintendenten noch als Geschenk des Kirchenkreistages: Der Conferencier, Zauberer, Feuerschlucker und Kabarettist Matthias Wesslowski bot unter dem Motto "Kirche zwischen Fiktion und Illusion" ein unterhaltsames Feuerwerk mit bissigen Pointen und zündenden Überraschungen, mit dem der Geschmack des Superintendenten und sein Sinn für Humor offenbar bestens getroffen wurde.

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